14:43 03-05-2026

VW Osnabrück: Vom Autowerk zum Rüstungsstandort?

Das historische Volkswagen-Werk in Osnabrück könnte die Autoproduktion gegen Rüstungsaufträge eintauschen. Wie Reuters meldet, verhandelt der Autohersteller derzeit intensiv mit Rafael Advanced Defense Systems aus Israel – einem Unternehmen, das unter anderem für seine Komponenten des Iron-Dome-Systems bekannt ist.

Dabei handelt es sich nicht um irgendeine leere Halle, sondern um einen Standort mit langer automobiler Tradition. Die Anfänge reichen zurück zur Karmann-Fabrik, die legendäre Modelle wie den Karmann Ghia, das Käfer Cabrio, das Golf Cabrio, den Scirocco und den Corrado hervorbrachte. Unter VW-Regie kamen später Fahrzeuge wie das Audi RS4 Cabrio, der XL1, der Arteon Shooting Brake, Porsche Boxster, Cayman, Cayenne und sogar der Skoda Karoq hinzu.

Doch heute ist es dort deutlich ruhiger geworden. Die Fabrik steht und fällt im Grunde mit dem T-Roc Cabrio von Volkswagen – allerdings soll dessen Produktion bis 2027 auslaufen. VW sucht daher nach einer neuen Aufgabe für die Anlage oder eventuell einem Käufer.

Früheren Berichten zufolge hätte Rafael in Osnabrück Artillerie-Transportfahrzeuge und Stromversorgungskomponenten für den Iron Dome bauen können. Inzwischen haben sich die Gespräche jedoch auf Raketenteile wie Motoren und Antriebssysteme verlagert. Explosive Komponenten soll es dort zwar nicht geben, aber die neue Richtung bedeutet eine radikale Abkehr von der klassischen Automontage.

Für Volkswagen brächte ein Vertrag dringend benötigte Geldmittel und die Aussicht, etwa 2.300 Arbeitsplätze zu sichern. Allerdings gibt es eine politische Hürde: Deutsche Regierungsvertreter möchten die Kontrolle über heimische Verteidigungsvorhaben behalten und verlangen, dass die eingesetzte Technologie in Deutschland verbleibt.

Ein Werk, das lange für Cabriolets und Nischenfahrzeuge stand, könnte so schon bald in einem ganz anderen Bereich zum Einsatz kommen – und genau das macht die mögliche Vereinbarung so besonders.