Lotus-Boss zerlegt seinen eigenen Hypercar mit einer einzigen Zahl
Feng Qingfeng zog die Grenze bei 1.800 kg. Fast nichts aus seiner eigenen Modellpalette unterbietet sie — der 2.000-PS-Evija schon gar nicht.
Lotus-Chef Feng Qingfeng hat getan, was Markenmanager fast nie tun — öffentlich seine eigene Modellpalette als mittelmäßig abgestempelt. Vor der Presse in China sagte er am 2. Juni klipp und klar: Ein echter Sportwagen darf nicht mehr als 1.800 kg wiegen. Alles darüber bleibt unter dem Niveau. Ende der Diskussion.
Die Reaktion kam sofort. Chinas Social Media fand sofort den wunden Punkt: Kaum ein aktueller Lotus erfüllt dieses Kriterium. Erstes Opfer ist der Stolz der Marke — der elektrische Hypercar Evija. Fast 2.000 PS, vier E-Motoren, ein Preis nahe zwei Millionen Pfund — und ein Leergewicht von 1.887 kg. Knapp 1,9 Tonnen. Nach Maßstab des eigenen Chefs — mittelmäßig.
Feng legte nach: Im Zeitalter der Elektrifizierung sei die maximale Leistung entwertet. PS gebe es heute mühelos — ein schwerer Aufbau ruiniere trotzdem das Handling. Selbst 2.000 PS in einem Auto über 1.800 kg seien immer noch mittelmäßig.
Lotus baut seinen Ruf seit Jahrzehnten auf Colin Chapmans Regel „Add lightness“. Diese Linie zu halten, ist heute schwer: Batterien, Hybridtechnik, Elektronik, Pflichten beim passiven Insassenschutz. Die meisten Hersteller kompensieren das Gewicht mit Leistung, aktivem Fahrwerk und Software. Unter 1.800 kg bleiben heute weder der Lamborghini Revuelto noch der Aston Martin Valhalla — und schon gar nicht der Evija. Der einzige Lotus, der gerade so durchrutscht: der bezinbetriebene Emira mit rund 1.460 kg.
Warum dann diese Selbstdemontage? Weil es um die Zukunft geht, nicht um die Vergangenheit. Lotus hat den Plan, bis 2028 reinelektrisch zu werden, gerade zurückgenommen und einen V8-Hybrid-Supersportler mit über 1.000 PS bestätigt — bewusst Hybrid, nicht Plug-in, um Akku-Gewicht zu sparen. Parallel steht der Type 135 als nächster echter Lotus-Sportwagen in der Pipeline.
Zwischen den Zeilen ist es eine Garantie: Der nächste echte Lotus bleibt unter 1.800 kg. Und die aktuelle Modellpalette? Ein Umweg, den ihr eigener Chef gerade laut zugegeben hat.