BMW reißt die M3-Formel in Le Mans auseinander — und der Motor läuft nicht einmal
Vier Motoren, 800-Volt-Architektur, ein Akku jenseits der 100 kWh und bis zu 1.000 PS. Das M Concept Neue Klasse in Le Mans ist im Grunde der Elektro-M3 ohne Tarnung.
BMW hat das Concept M Neue Klasse gezeigt — und das ist längst kein Showcar für den Effekt mehr. Das ist fast schon das direkte Porträt des ersten elektrischen M3. Die Premiere wurde im Rahmen der 24 Stunden von Le Mans abgehalten, und der Ort wurde nicht zufällig gewählt: BMW will beweisen, dass der Buchstabe M den Wechsel zur Batterie ohne Verluste übersteht.
Im Kern steckt die kommende Neue-Klasse-Plattform. Die Serienversion, die schon als elektrischer M3 oder iM3 gehandelt wird, kommt im nächsten Jahr. Vier Elektromotoren — je einer pro Rad. Das ist keine schöne Zeile fürs Presseheft: Mit diesem Aufbau lässt sich die Antriebskraft radgenau dosieren, ein heckgetriebener Charakter simulieren und die Abstimmung zwischen Alltag und Rennstrecke im Bruchteil einer Sekunde umstellen.
Die technischen Eckdaten klingen ernst. 800-Volt-Architektur, ein Akku jenseits der 100 kWh mit zylindrischen Zellen der sechsten Generation, das neue Steuerungssystem BMW M Dynamic Performance Control — die gesamte Fahrdynamik berechnet der zentrale Hochleistungsrechner Heart of Joy. Offizielle Leistungswerte nennt BMW nicht. Insider aus dem Konzern sprechen von 800–900 PS, Jalopnik schreibt von einem Potenzial über 1.000 PS. Für den M3 ist das ein brachialer Sprung. Und damit kommt die unvermeidliche Frage mit: Kann eine schwere E-Limousine die Präzision und Lebendigkeit bewahren, für die die Benzinergenerationen geliebt wurden?
Das Design ist bewusst hart. Die neue Lackierung Monza Red, die markante Lichtsignatur M Yellow Lights als direkte Anspielung auf den M Hybrid V8 von der Strecke, ein ausgeprägter Frontsplitter, ein V-förmiger Lufteinlass in der Motorhaube, ein wuchtiger Diffusor hinten. Ein Teil der Aerodetails besteht aus Verbundwerkstoffen auf Naturfaserbasis — BMW näht das Renn-Image buchstäblich an die neue Nachhaltigkeitsrhetorik.
Auch der Innenraum ist alles andere als eine normale Limousine: vier Schalensitze, Sportgurte, ein breiter Digitalstreifen am Fuß der Windschutzscheibe, eine zurückgenommene Bedienoberfläche. Das Serienauto wird das fast sicher entschärfen. Sonst riskiert der M3, zum Schaufensterstück zu werden statt zum echten Alltagsauto.
Vom Verbrenner verabschiedet sich BMW nicht sofort. Der künftige M3 wird in zwei Welten gleichzeitig leben. Die Benzinerversion G84 geht an jene, denen Sound und klassische Mechanik wichtig sind. Der Elektro-M3 übernimmt die Rolle des technologischen Flaggschiffs. Und genau dieser Bruch macht die Neuheit wirklich spannend: zum ersten Mal wird ein M3-Käufer nicht nur die Leistung wählen, sondern die ganze Philosophie des Autos.
Der elektrische M3 muss noch nicht allen BMW-Fans gefallen. Er muss zunächst eine einfache Sache beweisen. Dass der Buchstabe M auch ohne Auspuff überzeugend klingen kann.