Dmitry Yakin

„Nicht fahren.“ Zwei Worte von der NHTSA, die 255.000 Focus-Besitzern den Tag ruinierten

255.404 Ford Focus stehen unter „Do Not Drive, Park Outside“. Der Haken? Die meisten Wagen galten seit 2018 als längst repariert.

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Das ist kein gewöhnlicher Rückruf. Die NHTSA hat Ford einen „Do Not Drive, Park Outside“-Hinweis verpasst — die höchste Alarmstufe im US-Rückrufsystem, reserviert für Brandgefahr. Betroffen sind 255.404 Ford Focus der Baujahre 2012 bis 2018 mit 2,0-GDI- und 2,0-GTDI-Motoren, Focus ST inklusive. Und es könnte die hässlichste Rückruf-auf-Rückruf-Geschichte der letzten Jahre sein.

Schuld ist das Tankentlüftungsventil (canister purge valve), das die Kraftstoffdämpfe im EVAP-System steuert. Es kann beim Dichtheitstest des Verdunstungssystems offen hängen bleiben. Was dann passiert, ist nicht schön: zu starker Unterdruck in der Kraftstoffleitung, ein verformter Kunststofftank und ein Motor, der mitten in der Fahrt absterben kann — ohne Warnung, ohne Neustart. Vorher leuchtet die Check-Engine-Lampe, die Tankanzeige lügt, der Wagen reagiert unter Last seltsam.

Jetzt der bittere Teil. Genau diese Autos wurden bereits 2018 unter der Kampagne 18V-735 zurückgerufen. Auf dem Papier war die Reparatur erledigt. In der Realität — eher nicht. Ford selbst hat festgestellt, dass beim Wechsel vom alten IDS-Diagnosetool zum neuen FDRS ein Teil der Fahrzeuge den Vermerk „PCM-Software aktualisiert“ bekam, obwohl die Software nie wirklich aufgespielt wurde. Die Wagen verließen die Werkstatt mit demselben Defekt, mit dem sie hineingefahren waren.

Das interne Audit begann im November 2024, als Fords Quality Office wissen wollte, wie viele Rückrufjobs falsch geschlossen wurden. Im Dezember 2024 meldete der Konzern den Sachverhalt der NHTSA. Bis März 2025 war klar, dass die Sache tiefer reicht als erwartet — die historischen Daten aus dem alten Tool sind lückenhaft. Im April 2026 räumte Fords Critical Concern Review Group offiziell ein, dass ein erheblicher Teil der Fahrzeuge über mehrere Kampagnen hinweg, darunter 18S32, die versprochene Reparatur nie erhalten hat. Am 2. Juni gab das Field Review Committee grünes Licht für den neuen Rückruf. Ein seltener Moment, in dem ein großer Hersteller öffentlich zugibt, dass sein Service-Prozess fast ein Jahrzehnt lang fehlerhaft lief.

Die Abhilfe unter der neuen Kampagne 26V369 (Fords interne Nummer lautet 26S40) bleibt dieselbe: kostenloses PCM-Software-Update beim Händler, diesmal mit einer Pflichtvalidierung der Software-Version direkt vor Ort. Wenn die Diagnose es verlangt, werden Ventil, Aktivkohlefilter und bei Bedarf auch der Kraftstofftank mitsamt Fördereinheit getauscht. Die Schreiben an Halter gehen ab 6. Juli 2026 raus, die VIN-Suche auf NHTSA.gov öffnet am selben Tag. Fords Rückruf-Hotline: 1-866-436-7332.

Das größere Problem für Ford ist nicht dieses eine Ventil. Es ist der Trend. 2025 stellte die Marke einen US-Rekord bei Rückrufkampagnen in einem Jahr auf — 153 Stück. 2026 wächst die Liste schneller als der Kalender: Kamera- und Assistenz-Software, Getriebe, Bremsen, Elektrik, Kraftstoffsysteme. Parallel läuft eine weitere Kampagne für Bronco, Ranger und Explorer mit dem 2,3-Liter-EcoBoost, bei dem ein falsch montiertes Ventiltriebbauteil den Motor zum Klopfen bringen kann, bevor er endgültig aufgibt.

Für Käufer gebrauchter Ford ist die Schlussfolgerung brutal einfach. Eine saubere Unfallhistorie reicht nicht mehr — ein VIN-Check auf offene Rückrufe gehört dazu. Am besten vor der Unterschrift, nicht nach dem ersten Motorausfall auf der rechten Spur.

A. Krivonosov