Pavel Pavlov

Chevrolets wildester Corvette zerstört sich auf der Strecke selbst

Chevrolets 1.064-PS-Monster hat ein bizarres Problem: Der Anpressdruck zerstört die eigene Karosserie. GM zahlt bereits die Reparaturen.

Tarantas News zu Ihren bevorzugten Google-Quellen hinzufügen

Das hat keiner kommen sehen. Der Chevrolet Corvette ZR1 frisst seinen eigenen Lack — und schuld sind weder Motor noch Elektronik noch die Fertigung. Schuld ist die Aerodynamik. Besitzer mit dem ZTK Track Performance Paket entdecken Lackschäden genau dort, wo der massive Heckflügel an der Karosserie befestigt ist.

Es passiert nur nach Fahrten bei wirklich irrwitzigen Geschwindigkeiten. Zuerst schlug der amerikanische YouTuber und ZR1-Besitzer Christian Wheeler Alarm. Nach ein paar Highspeed-Sessions fand er Absplitterungen und Reibspuren unter den Flügelstützen. Seitdem sind ähnliche Schäden an mindestens zwei weiteren Corvette ZR1 aufgetaucht. Die Befestigungslösung ist übrigens dieselbe wie beim Corvette Z06 — doch dieses spezielle Drama spielt sich ausgerechnet beim größeren Bruder ab.

Die Ursache ist fast schon peinlich simpel. Brachialer Anpressdruck. Chevrolet selbst gibt an, dass das ZTK-Paket bei Höchstgeschwindigkeit mehr als 544 kg Abtrieb erzeugt. Der Carbonflügel wiegt federleichte 7,7 kg. Doch unter Last verwandelt sich die Feder in einen Amboss, der mit aller Kraft auf die Karosserie drückt. Laut Besitzern setzt der Effekt etwa ab 290 km/h ein. Bei 299 km/h liegt der Abtrieb laut Chevrolet bereits bei rund 444 kg.

Unter dieser Belastung biegt sich das Heckblech minimal durch, und die Flügelstützen reiben direkt auf der lackierten Oberfläche. Ist die Dichtung zwischen Halterung und Karosserie auch nur einen Hauch zu dünn — hallo, Kratzer, Absplitterungen und gerissener Klarlack. Im Straßenalltag wird das praktisch niemand erleben. Solche Tempi sind geschlossenen Rennstrecken und privaten Testarealen vorbehalten.

Laut Fachpresse genehmigt General Motors bereits Garantiereparaturen für betroffene Fahrzeuge und lackiert die beschädigten Teile auf eigene Kosten neu. Einen offiziellen Rückruf gibt es noch nicht — verständlich, denn die bekannten Fälle lassen sich an einer Hand abzählen. Für ZR1-Besitzer ist das eher ein Grund, die Flügelhalterungen nach jedem Trackday zu prüfen, als ein Warnsignal für einen ernsten Defekt. Die Ironie bleibt aber köstlich. Ein Supersportwagen, der sich selbst prügelt, weil er einfach zu gut darin ist, schnell zu fahren.

www.chevrolet.com