Dmitry Yakin

Der kleine Defender sollte rein elektrisch werden — JLR hat gerade gezuckt

Der kleinere Defender sollte eigentlich nur als BEV kommen. Jetzt öffnet JLR die Tür für Hybride, und der Grund verrät viel über den Zustand des Marktes.

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Es sieht aus, als hätte man bei JLR gründlich umgedacht. Der kleine Defender — den die Presse hartnäckig Defender Sport nennt — war ursprünglich als reines Elektroauto geplant. Dieser Plan hat sich gerade verschoben. Deutlich. Die EMA-Plattform unterstützt jetzt nicht nur BEV-Versionen, sondern auch HEV-Hybride. Das ist keine kosmetische Korrektur. Das ist eine Kehrtwende.

Und sie ist nachvollziehbar. Der vollständige Wechsel ins Elektrische ist für Defender deutlich schmerzhafter als für irgendein kompaktes Stadt-SUV. Die Marke muss gleichzeitig den Geländecharakter retten, den Allradantrieb, die Robustheit und die Fähigkeit, dorthin zu kommen, wo Ladesäulen reine Fantasie sind. Hybride geben Defender, was reine Elektroautos nicht liefern können — Bewegungsfreiheit. Vor allem auf Märkten wie den USA, wo die Elektrifizierung schleppt und Defender sich zu Hause fühlt. Der Name ist offiziell noch nicht bestätigt, aber das Projekt steckt schon tief in der Entwicklung.

Mark Cameron, Managing Director der Marken Defender und Discovery, hat früher gesagt, die Arbeit laufe auf Hochtouren und das neue Auto müsse „das Beste in seiner Klasse in dem sein, was es zu einem Defender macht.“ Vorläufige Daten sprechen von einer Länge knapp über 4,5 Meter. Das ist keine geschrumpfte elektrische Kopie des aktuellen Defender 90. Das ist ein eigenständiges Modell auf einer neuen Architektur. Von Grund auf.

Die EMA-Plattform wird auch die Basis für die nächste Generation elektrischer Range Rover Evoque und Velar bilden. Aber ein Batteriepaket im Fahrzeugboden ist eine altbekannte Kopfschmerzgeschichte für ernsthafte Geländewagen. Cameron hat es nicht versteckt — die Architektur könnte Federweg und Verschränkung im Vergleich zum aktuellen Defender beschneiden. JLR verspricht trotzdem, die Geländequalitäten ernsthaft zu halten. Allradantrieb ist Pflicht. Bei der Elektroversion deutet das stark auf ein Zwei-Motoren-Layout hin.

Und dann ist da noch eine Falle — die Aerodynamik. Einen echten Defender erkennt man an seiner aufrechten, fast kantigen Silhouette. Aber genau diese Form vernichtet Reichweite beim Elektroauto und Verbrauch beim Hybrid. JLR muss die Balance zwischen Effizienz und Charakter finden. Ohne Charakter wird daraus ein weiteres glattes SUV. Und davon hat der Markt schon genug. Gleichzeitig weigert sich Gaydon, die Entwicklung um jeden Preis zu beschleunigen, selbst unter dem Druck chinesischer Konkurrenten. Defender bekommt mindestens zwei Kaltwetter- und zwei Heißwettertestzyklen. Keine Ausnahmen.

JLR ist überzeugt: Bei einem Luxus-Geländewagen zählen Qualität, Langlebigkeit und Zuverlässigkeit mehr als das Rennen um den schnellsten Marktstart. Das Auftauchen der Hybride passt zu einer breiteren Defender-Philosophie — den Käufern so viele Optionen wie möglich zu geben, solange der Markt nicht reif für den kompletten Wechsel ins Elektrische ist. Heute geht ein großer Teil der britischen Defender-Verkäufe immer noch an den Diesel. Und der wichtigste Markt der Modellreihe ist mittlerweile Amerika.

Der Defender Sport könnte der erste echte Test werden, ob Defender als eigenständige Marke überleben kann und nicht nur als ein Modell in verschiedenen Karosserien. Der kleine Defender muss kompakter, effizienter und technologisch ausgereifter sein. Ohne dabei die rauhe Selbstsicherheit zu verlieren, wegen der man diesen Namen überhaupt kauft.

A. Krivonosov