Vlad Komarov

Vergesst den neuen Jaguar — den, den alle wollen, baut eine winzige italienische Werkstatt

Retro Coachbuilders baut den E-Type zum D-Type-inspirierten Speedster um. V12, Schaltgetriebe, kompromisslos — und der Preis tut weh.

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Jaguar steckt gerade in einer seltsamen Phase. Die alte Modellpalette ist fast verschwunden, die neue Elektro-Ära hat die Fans nicht überzeugt, und der begehrteste „Jag“ des Jahres entsteht nicht einmal im Werk der Marke. Er kommt aus einer winzigen italienischen Werkstatt namens Retro Coachbuilders — und kostet 498.000 Euro, umgerechnet rund 570.907 Dollar.

Das hier ist der E-Type Speedster. Die Basis ist ein echter klassischer Jaguar E-Type, aber die Karosserie wurde in eine offene Waffe verwandelt, die unverkennbar dem legendären D-Type-Rennwagen huldigt. Eine niedrige Scheibe, große Verkleidungen hinter den Sitzen mit integrierten Kopfstützen, kein Dach, keine Kompromisse. Das ist keine vorsichtige Restaurierung eines Museumsstücks. Das ist eine teure Fantasie darüber, was Jaguar noch sein könnte — wenn im Werk noch jemand wüsste, wie.

Es folgt ein Datenblatt, das 2026 fast trotzig wirkt. Nur V12. Nur Schaltgetriebe. Keine Automatik, kein Hybrid, kein Versuch, etwas Modisches vorzutäuschen. Der Käufer wählt den Motor: einen nahezu serienmäßigen 5,3-Liter, einen späteren 6,0-Liter oder einen extremen 7,0-Liter-V12, dessen Daten Retro Coachbuilders noch nicht verrät. Das Getriebe ist ein 4-, 5- oder 6-Gang-Schaltgetriebe, auf Wunsch mit offener Kulisse im Stil der Sechzigerjahre-Rennwagen.

Retro Coachbuilders

Dann beginnt der eigentliche Spaß — der Maßanfertigungsteil. Karosseriefarbe, Innenausstattung, Materialien, Exterieurdetails — alles vom Käufer wählbar. Aluminiumpaneele, keine Stoßstangen, eine Hutze auf der Haube, Rallye-Luftsächlitze in der Karosserie. Das gezeigte Exemplar ist tatsächlich eines der zurückhaltenderen: schlichter Lack, cognacfarbenes Leder und ein wunderschön guillochiertes Armaturenbrett. Der ganze Sinn des Projekts ist, dass keine zwei Autos identisch sein werden.

Der Preis erklärt alles. 498.000 Euro ohne Optionen — das ist Supercar-Niveau. Nur verkauft Retro Coachbuilders eben keine Sekunden bis 100 km/h. Verkauft wird etwas viel Seltreres: ein offener klassischer Jaguar, ein V12 ohne Kompromisse, ein Schaltgetriebe, Handarbeit — und das Gefühl, in einem Auto zu sitzen, das heute kein großer Hersteller mehr wagen würde.

Und es funktioniert. Singer hat aus alten Porsche eine ganze Industrie gemacht, Icon hat klassische Geländewagen neu erfunden, und jetzt ist diese Logik bei Jaguar angekommen. Reiche Käufer wollen nicht mehr nur ein teures Auto. Sie wollen eine Geschichte, die sich auf sie zuschneiden lässt — eine, die nicht in drei identischen Exemplaren vor demselben Hotel steht.

Der klugste Schachzug von Retro Coachbuilders besteht darin, gar nicht erst zu raten, was Jaguar morgen sein sollte. Die Werkstatt nimmt den Jaguar, den schon alle lieben — und macht ihn unerreichbar neu.

Retro Coachbuilders