Bugatti schließt die Tür zum W16 für immer — und der letzte Mistral verlässt das Werk leise
Die letzten W16 Mistral verlassen leise Molsheim. Zwei Jahrzehnte Quad-Turbo, 99 Autos vor Produktionsbeginn ausverkauft und ein Abschiedsrekord von 453,91 km/h.
Bugatti verabschiedet sich vom W16 Mistral — dem letzten Modell der Marke mit dem legendären 8,0-Liter-W16 und vier Turboladern. Die finalen Exemplare verlassen still das Werk in Molsheim, und mit ihnen geht eine ganze Ära zu Ende, die mit dem Veyron begann und durch den Chiron fortgeführt wurde. Zwanzig Jahre Sechzehnzylinder-Wut — vorbei.
Der Mistral wurde im Sommer 2022 gezeigt, und auf dem Papier lässt er sich leicht als offener Chiron beschreiben. In Wahrheit ist er weit mehr als ein Coupé mit abgenommenem Dach. Die Ingenieure mussten das Karbon-Monocoque von Grund auf neu konstruieren, die Steifigkeit erhöhen, die Silhouette ändern und ultrafeste Verbundwerkstoffe einsetzen — damit der offene Aufbau nicht zum schweren Kompromiss wird.
Das eigentliche Herz des Mistral ist natürlich der Motor. Der W16 liefert 1.600 PS und 1.600 Nm. Die offizielle Höchstgeschwindigkeit liegt bei 420 km/h, 0–100 km/h gelingen in 2,4 Sekunden, 0–200 km/h in 5,6 Sekunden, 0–300 km/h in 12,1 Sekunden. Die 400-km/h-Marke fällt nach rund 29 Sekunden. Schon auf dem Papier — Science-Fiction. Doch die eigentliche Geschichte kam erst danach.
Ende 2024 trieb Andy Wallace, Le-Mans-Sieger und offizieller Bugatti-Pilot, den W16 Mistral auf der Strecke in Papenburg auf 453,91 km/h. Damit wurde der Roadster zum schnellsten serienmäßigen Cabrio der Welt und übertraf seine eigene offizielle Höchstgeschwindigkeit um gleich 34 km/h. Bugatti baute exakt 99 Exemplare — und jedes einzelne war lange vor Produktionsstart verkauft.
Auf dem Zweitmarkt tauchen solche Wagen gelegentlich auf, doch die Preise liegen weit jenseits von 10 Millionen Dollar. Für Sammler ist das längst kein bloßer offener Hypersportwagen mehr. Es ist der letzte Serien-Bugatti mit eben diesem W16. Das nächste Kapitel der Marke ist etwas völlig anderes.
Der neue Tourbillon wechselt zu einem 8,3-Liter-V16-Saugmotor von Cosworth, kombiniert mit drei Elektromotoren. Die Systemleistung beträgt 1.800 PS, doch die Philosophie hat sich gewandelt: statt reiner Turbo-Mechanik — hybride Architektur und ein neuer technischer Zyklus. Die Ära der vier Turbolader ist vorbei.
Der W16 Mistral geht ohne lautes Zeremoniell. Und ehrlich gesagt braucht er auch keines. Manchmal reichen sechzehn Zylinder, offener Himmel und eine Geschwindigkeit, bei der die Luft selbst den Schlusspunkt setzt.