Morgan baut sein seltenstes Coupé seit zehn Jahren — und niemand kann es mehr kaufen
Morgans erstes Festdach-Modell seit über einem Jahrzehnt beendet die Pininfarina-Ära. Nur neun Midsummer Coupés werden gebaut. Alle sind bereits weg.
Morgan kehrt zum Coupé zurück, und zwar lautstark. Das neue Midsummer Coupé ist das erste Festdach-Modell der Marke seit über einem Jahrzehnt, das Abschiedskapitel der Partnerschaft mit Pininfarina und einer der seltensten Morgans überhaupt. Alle neun Exemplare sind bereits an Sammler vergeben. Und das ist nicht einmal die ganze Geschichte.
Neben den neun Kundenautos existiert ein Prototyp namens Car 0 — der sogenannte „artist’s proof“, ein Referenzmodell, an dem sich alle weiteren Exemplare messen lassen müssen. Zur Einordnung: Das offene Midsummer war auf 50 Stück limitiert, und schon das galt als selten. Das Coupé ist fünfmal seltener. Der letzte Morgan mit festem Dach war der Aero 8, und dessen Geschichte endete 2015.
Technisch ist das Coupé nah am offenen Midsummer: gleiche CXV-Plattform aus geklebtem Aluminium (dieselbe Basis wie unter dem Plus Six), gleicher BMW-Reihensechszylinder mit 335 PS. Doch Morgan betont, das sei keine Kosmetik. Die Karosserie bekommt „radikal andere Proportionen“: statt offener Silhouette eine fast durchgehende Glaskuppel mit einem Längsspant, der sich von der Haube bis zum Heck zieht. Ein direkter Verweis auf den AeroMax von 2008 — und gleichzeitig eine Kampfansage an alles, was Morgan bisher gemacht hat.
Das feste Dach ist hier keine Dekoration. Den Ingenieuren zufolge soll es den Wagen ganzjahrestauglich machen — was die offene Barchetta nie konnte. Aus dem Roadster ein echtes Coupé zu machen, hieß, die Struktur grundlegend neu zu denken: aus dem Vollen gefräste Aluminium-A-Säulen, strukturell verklebte Verglasung, versenkte Nieten. Das Glas liegt nicht auf dem Auto — es ist Teil der Struktur. Und das Gewicht? Nur 2,5% mehr als beim Supersport mit Hardtop.
Jeder der neun Wagen läuft durch Morgans eigene Coachbuilding-Abteilung und wird nach den persönlichen Wünschen seines Besitzers gebaut. Einen Preis gibt es noch nicht, aber Autocar erwartet einen deutlichen Aufschlag gegenüber dem Midsummer Roadster, der bei etwa £200.000 startete. Im Geist ist das kein „Retro-Sportwagen für jeden Tag“ mehr — es ist Handarbeit auf dem Niveau von Bentley Mulliner, Aston Martin Q oder Ferrari Tailor Made, nur in kleinerem, intimerem britischem Format und mit einem hölzernen Rahmen unter der Aluminium-Haut. Ja, im Jahr 2026 biegt Morgan immer noch Esche.
Die Logik der Marke ist offensichtlich. Mit Porsche oder Lotus bei Stückzahlen, Elektronik oder Plattformzyklen mitzuhalten — das kann und will Morgan nicht. Verkaufen lässt sich dagegen genau das, was Großserien schwer skalieren können: Seltenheit, Handarbeit, Holz, Metall, Geschichte und das Gefühl eines Autos, das für eine einzige Person gebaut wurde. Neun Käufer haben das gerade mit ihrem Geld bestätigt.
Den Verkauf von Plus Four oder Plus Six wird das Midsummer Coupé nicht beeinflussen. Das soll es auch nicht. Seine Aufgabe ist die einer Vitrine: zu zeigen, dass Morgan mehr kann als klassische Roadster, dass die Marke ultra-exklusive Coachbuilding-Projekte auf Pininfarina-Niveau liefert. Für die Marke ist das wichtiger als eine weitere Plus-Six-Variante.
Spannend wird, was danach kommt. Pininfarina hat sein Kapitel geschlossen. Was Morgan mit dem Geschmack fürs Coachbuilding macht, den ihm diese beiden Projekte mitgegeben haben, sehen wir in den nächsten Saisons. Das Midsummer Coupé ist kein Finale — es ist ein Übergang. In der Ära von Plattformen und Badge Engineering gibt es noch Autos, bei denen die Karosserie wichtiger ist als das Datenblatt. Und offenbar steht man dafür sogar Schlange.