Kia hat den EV6 GT mit allem vollgepackt — und es funktioniert
650 PS, 84 kWh und Virtual Gear Shift — Kia zeigt in Busan den überarbeiteten EV6 GT. Familien-Elektroauto war gestern.
In Busan hat Kia aus dem EV6 GT alles entfernt, was ihn daran hinderte, ein echter Sportwagen zu sein — und das hinzugefügt, was bisher fehlte. Auf der BIMOS 2026 zeigte die südkoreanische Marke die überarbeitete Version ihres stärksten Serienmodells. Eine Weltpremiere ist das nicht, aber für den Heimatmarkt ist der Auftritt entscheidend: Neben den volumenstarken EV3, EV5 und EV9 trägt jetzt einzig der EV6 GT das sportliche Image der elektrischen Kia-Familie.
Nach dem Update bekommt der EV6 GT einen Doppelmotor-Antrieb mit Allradantrieb. Gesamtleistung — 478 kW oder 650 PS. Drehmoment — 770 Nm. Null auf 100 km/h vergehen in 3,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 260 km/h. Das ist kein schneller Crossover-Hatch mehr. Das ist Kias kompromisslose Ansage Richtung Elektrosportwagen — und sie ist ernst gemeint.
Die wichtigste technische Änderung steckt unter dem Boden. Statt der bisherigen 77,4 kWh sitzt dort jetzt ein 84-kWh-Akku. Die angegebene WLTP-Reichweite wächst auf 450 km. Und das Beste — die E-GMP-Plattform hat ihr stärkstes Argument nicht verloren: Die 800-Volt-Architektur lädt das Auto in rund 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Mit einem Akku dieser Größe ist diese Zahl fast unanständig.
Doch das interessanteste Upgrade hat nichts mit Leistung oder Akku zu tun. Es heißt Virtual Gear Shift. Das System simuliert Schaltvorgänge, fügt Sound und taktile Rückmeldung hinzu — damit das Elektroauto nicht mehr steril wirkt. Kia geht damit exakt denselben Weg, den Hyundai mit dem Ioniq 5 N eingeschlagen hat: Leistung haben moderne EVs im Überfluss, aber Emotionen eines klassischen Sportwagens? Fehlanzeige. Die Hersteller versuchen zunehmend, diese zurückzubringen.
Von außen ist der überarbeitete EV6 GT sofort erkennbar: neue Lichtsignatur Star Map, schwarze 21-Zoll-Räder, aggressive Stoßfänger und die markanten neongrünen Bremssättel. Auf dem Stand in Busan wirkt das Auto nicht wie ein Familien-EV mit heißem Logo. Es ist ein Schaufenster dessen, was Kia heute kann — schnell fahren, schnell laden und dabei ein praktischer Fünftürer bleiben. Ohne Kompromisse im Sinne von „entweder oder“.