Der neue Ferrari-Heckflügel biegt sich im Wortsinn — und alles wird anders
Schluss mit starren Klappen und einem einzigen Gelenk. Ferrari patentiert ein Heckflügelkonzept mit biegsamen Platten, das die Aerodynamik der Supersportwagen neu erfindet.
Ferrari geht wieder eigene Wege. Maranello sucht Geschwindigkeit längst nicht mehr nur in den Pferdestärken — ein neues US-Patent beschreibt einen Heckflügel mit flexiblen Elementen, die sich per Aktuator verbiegen lassen und den Abtrieb in Echtzeit anpassen.
Und das ist nicht der nächste aktive Flügel von der Stange. Statt einer einzelnen beweglichen Fläche schlägt Ferrari eine Konstruktion aus mehreren aerodynamischen Elementen vor, die auf flexiblen Platten an den Seiten sitzen. Jede Platte verformt sich unabhängig. Das heißt: Der Flügel arbeitet nicht nur beim Bremsen oder Beschleunigen, sondern auch in der Kurve — das kann sonst praktisch niemand.
Beim Anbremsen einer Kurve biegt sich eine Seite stärker als die andere und drückt das jeweils beanspruchte Hinterrad zusätzlich auf den Asphalt. Beim Bremsen richten sich die Elemente auf und erzeugen Widerstand. Am Kurvenausgang kehren sie in die neutrale Form zurück — und der Wagen rauscht die Gerade hinunter, ohne auch nur eine Zehntelsekunde an parasitärem Luftwiderstand zu verlieren.
Für Ferrari ist das längst nicht der erste Anlauf, die klassische Aerodynamik umzuschreiben. Die Marke hat bereits verformbare Karosseriepaneele patentiert, dazu aktive Systeme, die das Straßenprofil vorausschauend lesen, und sogar Fahrwerkskomponenten, die zugleich als Aero-Element arbeiten. Die Logik ist simpel. In der Ära der Hypercars mit 2.000–3.000 PS ist nackte Leistung kein Trumpf mehr — entscheidend ist, wie effizient das Auto diese Kraft tatsächlich auf die Straße bringt.
Die zentrale Frage ist das Material. Flexible Elemente müssen sich tausendfach verformen, die Geometrie halten, den Lack nicht aufreißen und Belastungen bei Geschwindigkeiten aushalten, bei denen gewöhnliche Kunststoffe längst aufgeben. Möglicherweise muss Ferrari ein neues Polymer oder einen neuen Verbundwerkstoff in Auftrag geben. Das Patent selbst schweigt sich darüber dezent aus.
Ein Serienmodell verspricht noch niemand. Ferrari patentiert jedes Jahr Dutzende Ideen, nur wenige schaffen es bis zum Fließband. Doch die Richtung ist mit bloßem Auge zu erkennen: Die künftigen Supersportwagen aus Maranello werden nicht durch rohe Gewalt schneller, sondern durch eine Aerodynamik, die denkt und sich bewegt wie ein Teil des Fahrwerks.
Sollte das System wirklich auf die Straße kommen, hört der Heckflügel auf, bloß ein Stück Metall über dem Kofferraum zu sein. Er wird zu einem vollwertigen Lenkinstrument — fast so wichtig wie das Lenkrad selbst.