Dmitry Yakin

Chinas meistverkauftes E-Auto landet in Großbritannien, und der Renault 5 kann anfangen zu schwitzen

Geely bringt seinen chinesischen Chart-Stürmer als Elektro-Kleinwagen diesen Sommer nach Großbritannien. So einen Gegner hatte der Renault 5 noch nie.

Tarantas News zu Ihren bevorzugten Google-Quellen hinzufügen

Geely holt zum Präzisionsschlag auf dem britischen Markt aus — und zielt direkt auf das Segment der kleinen Elektroautos. Der chinesische Gigant schickt seinen kompakten E-Hatchback EX2 nach Großbritannien, der Verkaufsstart ist für diesen Sommer geplant. Es ist das dritte Modell der Marke nach dem Crossover EX5 und dem Plug-in-Hybrid Starray. Doch ausgerechnet der EX2 dürfte zum Verkaufsschlager werden.

In China kennt man den Wagen als Xingyuan — und dort ist er längst ein Phänomen. 2025 verkaufte Geely rund 465.000 Exemplare davon und ließ dabei sogar Tesla Model Y und Xiaomi SU7 hinter sich. In der britischen Modellpalette rückt der EX2 in das Segment der städtischen Fünftürer und tritt direkt gegen Renault 5, den kommenden Hyundai Ioniq 3 und den Volkswagen ID Polo an.

Die Technik der chinesischen Version ist erfrischend simpel. Ein einzelner Elektromotor an der Hinterachse leistet 78 oder 114 PS. Der Lithium-Eisenphosphat-Akku steht in Versionen mit 30,1 oder 40,2 kWh zur Wahl. Die angegebene Reichweite beträgt 193 oder 255 Meilen nach chinesischem CLTC-Zyklus — also rund 311 oder 410 km. In Europa werden die WLTP-Werte mit ziemlicher Sicherheit geringer ausfallen, denn CLTC ist ein deutlich milderer Test.

Und die Konkurrenz? Der Renault 5 bietet 192 oder 252 Meilen nach WLTP — rund 309 oder 406 km. Der kommende VW ID Polo soll 204–283 Meilen schaffen, also etwa 328–455 km. Geely bleibt damit die Wahl: entweder die Werte des EX2 an die europäische Konkurrenz anpassen oder mit Preis und Ausstattung Druck machen.

Der Preis wurde noch nicht genannt — und genau das ist der springende Punkt. Landet der EX2 deutlich unter dem Renault 5, wird er zum ausgesprochen unbequemen Rivalen für die europäischen Marken. In diesem Segment reichen Design und Image nur bis zu einem gewissen Punkt. Käufer rechnen ganz nüchtern: Was kostet das Auto, wie weit fährt es, und was kosten Wartung und Betrieb?

Für Geely ist der Marktstart in Großbritannien Teil einer viel größeren Offensive. Der Konzern plant, binnen drei Jahren 10 Modelle nach Großbritannien zu bringen und bis 2030 auf 100.000 Verkäufe pro Jahr zu kommen. Zum Vergleich: Kia brauchte 32 Jahre, um im Vereinigten Königreich erstmals die 100.000er-Marke zu knacken — und schaffte das erst 2022. Die Chinesen wollen diesen Weg in einem Bruchteil der Zeit gehen.

Der EX2 ist für Geely weit mehr als nur ein weiteres E-Auto. Er ist ein Lackmustest: Ist Europa bereit, chinesische Stadt-EVs ernst zu nehmen — nicht als Kuriosität, sondern als Standardwahl? Stimmt der Preis, wird man mit diesem kleinen Hatchback nicht mehr mit Slogans diskutieren. Sondern mit Rabatten.

A. Krivonosov