06:10 29-11-2025

IONITY verneint Ladepunktmangel: HPC wächst schneller als E-Autos

IONITY widerspricht der gängigen Behauptung, Europa leide unter einem Mangel an Ladepunkten. Nach Angaben des Strategiechefs des Unternehmens liegt das eigentliche Problem darin, dass der Ausbau von High‑Power‑Ladern schneller vorankommt als die Zahl der E‑Autos auf der Straße. Deutschland dient als Beispiel: rund 60 Fahrzeuge pro Standort – ein Wert, den das Unternehmen für zu niedrig hält, damit ein Betreiber seine Investitionen amortisieren und das Netz weiter ausbauen kann. Wenn die HPC‑Infrastruktur schneller wächst als die Nachfrage, geraten die Geschäftsmodelle der Anbieter unter Druck. Das klingt kontraintuitiv, passt aber zur Auslastungslogik von Schnellladeprojekten – am Ende entscheidet nicht die Anzahl der Säulen, sondern wie stark sie genutzt werden.

Mit Blick auf 2030 rechnet IONITY damit, dass rund 40 Prozent der Ladevorgänge im öffentlichen Raum stattfinden, davon wiederum etwa zwei Drittel an High‑Power‑Standorten – auch innerhalb von Städten. Diese Perspektive erklärt, warum das Unternehmen auf Schnellladenetze setzt, statt die Karte mit Langsamladern zu pflastern; für Fahrerinnen und Fahrer wie für Betreiber zählt Tempo mehr als schiere Menge. Ökonomisch ist das schlüssig: Hohe Leistung und verlässliche Verfügbarkeit schaffen Vertrauen – und erst dann rechnet sich der Ausbau dauerhaft.

Der Manager führte zudem aus, dass Reichweitenangst den Alltag kaum noch abbildet. Im Sommer seien an Autobahnstationen die meisten Kundinnen und Kunden Reisende aus dem Ausland, die lange Strecken ohne Probleme bewältigen. Diese Erfahrung deute darauf hin, dass Europas Netz bereits ausgereift genug ist, um Elektroautoreisen ohne echte Einschränkungen zu ermöglichen – eine Einschätzung, die plausibel wirkt, weil inzwischen vor allem die Planbarkeit zählt, nicht mehr das Fürchten vor der nächsten Steckdose.