Fast jede Schraube in dieser Charge fiel beim Drehmomenttest durch
Honda hat den Verkauf von fast 4.000 neuen Pilot- und Passport-Modellen 2026 gestoppt, nachdem bei 98 % der Charge zu locker angezogene Hilfsrahmenschrauben entdeckt wurden.
Damit hatte niemand gerechnet, aber es ist Realität: Honda hat einen Rückruf samt Verkaufsstopp für einen Teil der Modelljahr-2026-Baureihen Pilot und Passport in den USA verhängt. Und diesmal geht es nicht um Elektronik oder Motorprobleme — sondern um Schrauben. Genauer: um die Schrauben des hinteren Hilfsrahmens. Das bedroht direkt die Fahrstabilität.
Laut NHTSA-Unterlagen betrifft die Kampagne 26V424 insgesamt 3.933 Fahrzeuge: 2.134 Honda Pilot, gebaut zwischen dem 27. April und dem 15. Mai 2026, sowie 1.799 Honda Passport, montiert zwischen dem 4. und 15. Mai. Und diese Zahl sticht wirklich heraus: Die geschätzte Fehlerquote liegt bei 98,3 %. Praktisch die gesamte Charge.
Die Beschreibung klingt harmlos — „unzureichend angezogene Schrauben“. Das Risiko ist es nicht. Unter Last oder nach einem Aufprall kann sich die Verschraubung weiter lösen, es kommt zu ungewöhnlichen Geräuschen, verminderter Stabilität und im schlimmsten Fall zum teilweisen oder vollständigen Ablösen des hinteren Hilfsrahmens. Die NHTSA formuliert es unverblümt: Das erhöht das Risiko eines Unfalls oder einer Verletzung. Und die Behörde ging über ihre übliche Sprache hinaus — die offizielle Mitteilung enthält bis zur Reparatur ausdrücklich die Empfehlung, das Fahrzeug nicht zu fahren und im Freien zu parken. Das steht nicht bei jedem Rückruf.
Die Ursache ist fast schon peinlich einfach — ein Produktionsfehler. Honda führte eine neue Palettenaufnahme für den hinteren Hilfsrahmen in der Fertigungslinie ein, doch die Einstellungen der Anzugswerkzeuge wurden dafür nicht neu bewertet oder geprüft. Von dort aus summierten sich die Fehler: zu wenig Schmierung, eine falsch justierte Getriebeeinstellung am Anzugswerkzeug, eine schlecht ausgerichtete Palettenklemme. Das Ergebnis: Schrauben, die das vorgeschriebene Drehmoment nicht halten. Honda entdeckte das Problem am 15. Mai bei einer Stichprobenkontrolle an der Linie und entschied sich am 25. Juni zum Rückruf. Bis dahin gab es in den USA keine einzige Gewährleistungsmeldung, keine Verletzten und keine Todesfälle im Zusammenhang mit dem Defekt — ein knappes Ergebnis.
Für die Besitzer entstehen dabei keinerlei Kosten. Die Händler prüfen alle vier Schrauben des hinteren Hilfsrahmens auf das vorgeschriebene Anzugsmoment von 105 Nm, markieren die einwandfreien und ersetzen ausschließlich jene, die den Wert nicht erreichen. Nach jedem Austausch folgt eine Achsvermessung. Laut Servicebulletin dauert die reine Prüfung 0,3 Arbeitsstunden, der Schraubenaustausch samt Neuausrichtung 0,9 Arbeitsstunden. Schnell erledigt, aber keinesfalls zu ignorieren.
Die Benachrichtigung der Halter beginnt ab dem 24. August 2026, die betroffenen Fahrgestellnummern sind seit dem 10. Juli auf der NHTSA-Website abrufbar. Die Händler wurden bereits am 2. Juli informiert, spezielles Werkzeug ist nicht erforderlich, und Honda geht davon aus, dass nur ein kleiner Teil der betroffenen Fahrzeuge tatsächlich neue Schrauben benötigt.