Ein 8-PS-Abarth Kommt, Und Er Wird Nie Schneller Als Joggen Sein
Fiat will dem 8-PS-Quadricycle Topolino ein Abarth-Emblem verpassen, um 16-Jährige zu begeistern, obwohl es keinem Radfahrer davonfährt.
Stellantis will aus dem Fiat Topolino einen Mini-Abarth machen — und das ist wohl das ehrlichste Paradox der Autoindustrie in diesem Jahr: eine Sportversion, die nicht einmal einen Radfahrer bei guter Abfahrt abhängen kann. Die Idee klingt auf dem Papier absurd. Man nehme ein elektrisches Quadricycle mit 8 PS und verpasse ihm einen sportlichen Charakter.
Doch Stellantis hat einen Grund dafür — man will Teenager gewinnen, denen der normale Topolino zu brav und zu „elterlich“ erscheint. Der Fiat Topolino gehört ebenso wie seine Geschwister Citroen Ami und Opel Rocks Electric zur europäischen Leichtfahrzeugklasse L6. In Ländern wie Italien und Frankreich dürfen solche Fahrzeuge bereits mit 14 Jahren legal gefahren werden. Das Reglement deckelt Leistung und Geschwindigkeit jedoch hart: Kein noch so aggressives Abarth-Bodykit macht aus dem Topolino einen echten Hot Hatch.
In den USA startete der Topolino kürzlich bei 13.995 Dollar — mit einem wichtigen Haken: Er gilt dort nicht als vollwertiges Auto und darf nicht frei auf öffentlichen Straßen fahren, solange Stellantis kein Umrüstkit zum Low Speed Vehicle anbietet. Selbst dann wäre er nur auf Straßen mit einem Tempolimit bis 56 km/h zugelassen. In der Basisversion liegt die Höchstgeschwindigkeit bei rund 31 km/h.
In Europa läuft der Topolino deutlich besser, besonders in Italien, wo er das meistverkaufte Quadricycle ist. Doch Fiat- und Abarth-Europachef Gaetano Thorel gibt das Problem offen zu: Die Marke habe es bislang nicht wirklich geschafft, die Herzen der 16- und 17-Jährigen zu erobern. Eltern mögen das sichere, leise kleine E-Fahrzeug, Teenager interessieren sich dagegen oft mehr für Konkurrenten wie den Ligier — ebenfalls langsam, aber mit einem 50-Kubik-Benzinmotor und einem lebendigeren Klang. Genau deshalb hat Fiat bereits den Topolino Sport vorgestellt.
Diese Version bekam neue Farben, Streifen, schwarze Akzente und andere Räder, doch die Technik blieb unangetastet. Abarth muss weiter gehen: zu erwarten sind ein aggressiveres Bodykit, spezielle Interieurdetails, andere Felgen, womöglich abgestimmtes Fahrwerk und ein künstlicher Sound im Stil des elektrischen Abarth 500. Mehr Leistung sollte man aber nicht erwarten.
Das Reglement erlaubt keinen stärkeren Motor als die aktuellen 6 kW beziehungsweise 8 PS. Der künftige Abarth Topolino wird also kein echtes Sportauto, sondern eher ein Lifestyle-Produkt: ein kleiner Stromer mit forscherer Optik, Attitüde und Emblem, der rein auf Emotionen setzen muss. Für Abarth ist das ein riskanter, aber nachvollziehbarer Schritt. Die Marke lebt seit jeher vom Gefühl des kleinen Autos mit großem Charakter.
Jetzt muss dieser Charakter über Design, Sound und Image entstehen, nicht über Beschleunigung. Und damit stellt sich die entscheidende Frage: Glauben Teenager wirklich an ein „heißes“ Elektro-Quadricycle, das laut Vorschrift ohnehin nur im Schritttempo unterwegs sein darf?
Der Topolino Abarth könnte Stellantis’ ehrlichstes Paradox werden: eine Sportversion ohne Sport, gebaut auf der klaren Erkenntnis, dass junge Käufer meist zuerst mit den Augen und erst danach mit der Stoppuhr entscheiden.