Dmitry Yakin

Fahrer Vertrauen Ihrem Auto Mehr als den Experten, die es Untersuchen — und Diese Lücke Tötet

Eine neue Safety-in-Motion-Studie zeigt eine riesige Vertrauenslücke zwischen Fahrern und Verkehrssicherheitsexperten — Jean Todt warnt vor blindem Vertrauen in ADAS.

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Kameras, Radare, Assistenzsysteme — das moderne Auto soll die Straße besser im Blick haben als der Mensch am Steuer. Zumindest glauben das die meisten Fahrer. Doch je klüger die Technik wird, desto häufiger lässt die Aufmerksamkeit der Fahrer nach — und genau das kostet laut einem der weltweit führenden Verkehrssicherheitsexperten inzwischen Menschenleben.

Jean Todt, ehemaliger FIA-Präsident und UN-Sonderbeauftragter für Verkehrssicherheit, formuliert es unmissverständlich.

„Zu viele Fahrer verstehen die Möglichkeiten automatisierter Fahrsysteme nicht. Wir dürfen nicht annehmen, dass Technik unsere Aufmerksamkeit ersetzen kann“, sagte Todt.

Die Studie Safety in Motion legt eine Kluft zwischen dem Gefühl der Fahrer und der Einschätzung der Fachleute offen. Neun von zehn Fahrern glauben, die Straßen seien sicherer geworden. Unter den Fachleuten der Transportbranche stimmen dem nur 45% zu — fast halb so viele. In Brasilien, China und Indien wird aus der Kluft ein Abgrund: 94% der Fahrer fühlen sich sicher, aber nur 18% der Experten. Zufall? Kaum — ausgerechnet dort liegt die Verkehrstote-Rate bei 16,2 pro 100.000 Einwohner, doppelt so hoch wie im Studiendurchschnitt.

Und das ist der entscheidende Punkt: An der Technik liegt es kaum. Nur 3% der befragten Fachleute nannten einen Fahrzeugdefekt als Unfallursache. Dagegen führten 30% Unfälle auf falsche Bedienung oder Unverständnis der elektronischen Assistenten zurück, weitere 24% auf schlichte Ablenkung. Fast zwei Drittel der Branchenvertreter sind überzeugt: Werbung übertreibt die Fähigkeiten von ADAS-Systemen und erzeugt den gefährlichen Eindruck, man könne die Straße jetzt mit halber Aufmerksamkeit im Blick behalten.

Adaptiver Tempomat, Spurhalteassistent, automatische Notbremsung — all das entlastet den Fahrer tatsächlich. Aber nichts davon macht aus einem Auto ein selbstfahrendes System. Fahrbahnmarkierungen können verschwinden. Eine Kamera kann von der Sonne geblendet oder von Schmutz verdeckt werden. Ein Radar kann ein ungewöhnliches Hindernis eine Sekunde zu spät erfassen. Manchmal reicht genau diese Sekunde.

Das eigentliche Risiko beginnt nicht in der Verkabelung oder den Sensoren. Es beginnt in dem Moment, in dem ein Fahrer glaubt, jemand oder etwas anderes trage jetzt die Verantwortung für die Straße. Elektronik kann einen Fehler korrigieren. Sie ist nicht verpflichtet, dem Menschen dabei jedes Mal zuvorzukommen.

A. Krivonosov