Vlad Komarov

Mercedes zieht den GLE in die Länge und schlägt BMW knapp

Der lange GLE läuft nun bei Beijing Benz vom Band, mit 3115 mm Radstand und Marktstart im September. Das Ziel ist klar: der lokal gebaute BMW X5.

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Mercedes-Benz will nicht länger zusehen, wie BMW den chinesischen Markt für große Premium-SUVs allein besetzt. Der GLE mit langem Radstand ist bereits in Serie gegangen: Im Beijing-Benz-Werk in Shunyi liefen die ersten Fahrzeuge vom Band, der Verkaufsstart in China ist für September 2026 vorgesehen. Das ist ein wichtiger Kurswechsel — erstmals wird der GLE vor Ort gebaut, statt weiterhin auf Importe angewiesen zu sein.

Der größte Trumpf steckt in den Abmessungen. Der Radstand des GLE L wächst auf 3115 mm und damit um 120 mm gegenüber der Standardversion, die Gesamtlänge beträgt 5051 mm. Und hier wird es spannend: Der lokal produzierte BMW X5 kommt auf 3105 mm Radstand. Mercedes liegt also nur 10 mm vorn — aber eben vorn.

B. Naumkin / Tarantas.News

Auch bei den Motoren scheint Mercedes direkt auf BMW gezielt zu haben. Der GLE 350 L nutzt den 2,0-Liter-M254 mit 190 kW beziehungsweise 258 PS und 400 Nm. Im GLE 450 L arbeitet der 3,0-Liter-Reihensechszylinder M256 mit 280 kW, 381 PS und 560 Nm — die klassische „Sechs“ bekommt hier also reichlich Druck. Beide Versionen haben 4MATIC, die stärkere Variante zusätzlich Luftfederung mit adaptiven Zweiventil-Dämpfern. Zum Vergleich: Der chinesische BMW X5 xDrive30Li leistet ebenfalls 258 PS und 400 Nm, der xDrive40Li kommt auf 381 PS. Zufall? Wohl kaum.

Die Lokalisierung endet jedoch nicht beim verlängerten Radstand. Im Innenraum gibt es drei Displays, einen virtuellen Assistenten auf Basis des chinesischen Modells Doubao und ein Fahrerassistenzsystem rund um Momenta R6. Später soll ein OTA-Update auf das Momenta-Weltmodell R7 folgen und eine Navigation „vom Parkplatz bis zum Parkplatz“ ermöglichen. Deshalb wäre es verfrüht, den ersten Serienautos bereits den vollständigen R7-Funktionsumfang zuzuschreiben.

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Mercedes übernimmt damit im Grunde ein Rezept, das BMW in China bereits erprobt hat: langer Radstand, lokale Produktion und eine eigene digitale Anpassung für chinesische Kunden. Eine entscheidende Zahl fehlt aber noch. Den offiziellen Preis des GLE L hat Mercedes nicht genannt, während der BMW X5 in China derzeit ab 598.000 Yuan startet. Erst der Preis im September wird zeigen, ob Mercedes den lokalisierten X5 wirklich angreifen will oder ob es bei den symbolischen 10 mm Vorsprung bleibt.

mercedes-benz.com