Lexus baut den NX so tiefgreifend um, dass der Vorgänger plötzlich alt wirkt
23-kWh-Akku, DC-Schnellladen, steifere Karosserie und ein neues E-Four: Lexus macht aus dem NX weit mehr als ein Facelift.
Das ist kein gewöhnliches Facelift. Lexus hat den NX so tiefgreifend überarbeitet, dass die neuen Leuchten und der komplett umgestaltete Innenraum beinahe zur Nebensache werden. Das Hybridsystem wurde praktisch neu aufgebaut, dazu kommt eine kompakte e-Axle, die Getriebe, Elektromotor und Steuergerät vereint. Im Inverter setzt Lexus außerdem auf SiC-Halbleiter mit geringeren elektrischen Verlusten. Beim europäischen Plug-in-Hybrid NX 450h+ wächst die Batteriekapazität um rund 30 % von 18 auf 23 kWh, während die maximale Systemleistung um 8 % von 292 auf 307 PS steigt. Erstmals bei einem Plug-in-Hybrid von Lexus gibt es zudem DC-Schnellladen: Von 10 auf 80 % soll der Akku in etwa 30 Minuten kommen. Die Ladeleistung nennt Lexus noch nicht.
Und was bringt das alles auf der Straße? Vor allem einen gewaltigen Sprung bei der elektrischen Reichweite. Der europäische NX 450h+ soll nach WLTP mehr als 100 km rein elektrisch schaffen, die japanische Version über 140 km nach WLTC und das nordamerikanische Modell mehr als 40 Meilen beziehungsweise rund 64 km nach EPA. Der aktuelle europäische NX 450h+ kommt mit seinem 18,1-kWh-Akku auf 68–74 km WLTP, damit beträgt der Mindestzuwachs mehr als 26 km. Für den neuen 450h+ nennt Lexus vorläufig 215–240 kW Systemleistung, also je nach Markt etwa 292–326 PS. Der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert rund sechs Sekunden; die europäische 307-PS-Version soll 6,1 Sekunden benötigen.
Auch das Angebot wird breiter: NX 450h+ 2.5 AWD, NX 350h 2.5 AWD/FWD und NX 300h 2.0 FWD stehen in der vorläufigen Palette. Der Crossover wächst um 30 mm auf 4690 mm Länge, während Breite mit 1865 mm, Höhe mit 1660 mm und Radstand mit 2690 mm praktisch unverändert bleiben. Die Systemleistung reicht je nach Variante ungefähr von 197 bis 326 PS, das Gewicht von 1690 bis 2130 kg. Eine wichtige Einschränkung bleibt: Lexus bezeichnet diese Werte noch als vorläufig, regionale Abweichungen sind also zu erwarten.
Die eigentliche Überraschung steckt jedoch tiefer. Die Steifigkeit des Bodens steigt um etwa 25 %, jene der Fahrwerksaufnahmen um rund 30 %. Beim NX 450h+ sind die Batteriezellen nun quer angeordnet und der Akku sitzt tiefer. Lexus verbindet das direkt mit höherer Quersteifigkeit der Karosserie und einem niedrigeren Schwerpunkt. Abgestimmt wurde der Crossover nicht nur in Shimoyama, sondern auch auf dem Nürburgring und den Straßen in dessen Umgebung. Die Entwickler testeten den NX dabei sogar bei Geschwindigkeiten von mehr als 200 km/h.
Mit mehr Steifigkeit allein war es nicht getan. Neue Dämpfer besitzen Ventile, die selbst bei extrem niedrigen Kolbengeschwindigkeiten arbeiten, das Lenkrad schrumpft auf 360 mm und die Lenkung bekommt eine variable Übersetzung. Auch E-Four wurde gründlich überarbeitet: Der hintere Elektromotor kann nun nicht nur beim Anfahren, bei Schlupf oder in Kurven dauerhaft Schub liefern, sondern ebenso bei Geradeausfahrt. Ein weiteres System bremst in Kurven gezielt einzelne Räder ab und reduziert so Gierbewegungen und Wanken bei abrupten Manövern. Lexus will den NX damit nicht einfach stärker, sondern spürbar unterhaltsamer machen.
Im Innenraum fällt der Umbau kaum kleiner aus. Vor dem Fahrer sitzen ein 12,3-Zoll-Digitalinstrument und ein 14-Zoll-Multimediadisplay, ergänzt durch transparente Responsive Hidden Switches. Die ungewöhnlichste Neuheit heißt jedoch Sensory Concierge. Das System steuert gleichzeitig Ambientebeleuchtung, Musik, Klima, Sitztemperatur und sogar den Duft im Innenraum. Drei Programme — Inspire, Radiance und Revitalize — sowie fünf Düfte stehen bereit; der im Handschuhfach untergebrachte Generator nimmt bis zu drei austauschbare Kartuschen auf. Leder und ein großer Bildschirm reichen Lexus offenbar nicht mehr aus, um Luxus zu definieren.
Auch Lexus Safety System+ wird deutlich schlauer. Der adaptive Tempomat bremst früher, wenn der Verkehr voraus langsamer wird oder ein anderes Fahrzeug einschert. Navigationsdaten erlauben es dem NX, vor Kurven, Stoppschildern, Kreisverkehren und Mautstellen rechtzeitig Tempo herauszunehmen. Die Fahrerüberwachung erkennt Müdigkeit, während der Notfallassistent den NX bei Bedarf auf dem Seitenstreifen einer Autobahn zum Stillstand bringen kann. Der Totwinkelwarner erkennt nun Fahrräder und Motorräder, die Rundumsichtkameras erhalten einen 3D-Modus, und auch beim Anhängerbetrieb greifen die Assistenzsysteme in mehr Situationen ein. Welche Funktionen tatsächlich verfügbar sind, hängt vom jeweiligen Markt ab.
Auch außen beließ es Lexus nicht bei Kosmetik. Der NX erhält neue Leuchten mit der ersten Double-L-Hecksignatur der Marke, neun Karosseriefarben und ein eigenständiges F-Sport-Paket mit leichteren 20-Zoll-Rädern. Seit 2014 hat Lexus rund 1,9 Millionen NX in mehr als 90 Ländern und Regionen verkauft; ab Ende 2026 soll der umfassend überarbeitete Crossover weltweit auf den Markt kommen. Jetzt verlagert sich die Spannung auf Preise und endgültige regionale Daten. Erst sie werden zeigen, wie weit Lexus diesen NX tatsächlich vom bisherigen Modell entfernt hat.