Dmitry Yakin

Der Escalade IQ soll zuerst wegsehen dürfen und Super Cruise alt aussehen lassen

Der Cadillac Escalade IQ soll als erster GM eyes-off auf Autobahnen beherrschen. Entscheidend wird, wie gut das neue System seltene und chaotische Verkehrssituationen lernt.

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General Motors bereitet einen Schritt vor, nach dem das heutige Super Cruise plötzlich wie Technik von gestern wirken könnte. Der Konzern hat erklärt, wie er vom aktuellen hands-free, eyes-on Betrieb zu einem System wechseln will, bei dem der Fahrer die Straße nicht mehr dauerhaft beobachten muss. Als erstes Modell soll 2028 der elektrische Cadillac Escalade IQ diesen eyes-off Modus erhalten. Doch es gibt eine wichtige Einschränkung: GM will auf Autobahnen beginnen.

Der größte Wandel steckt nicht nur in neuen Sensoren, sondern in der Art, wie GM das System trainieren will. Der Konzern führt riesige Datenmengen aus Super-Cruise-Fahrzeugen, Informationen einer speziell ausgerüsteten Testflotte und hochpräzise virtuelle Szenarien zusammen. Warum dieser Aufwand? Um an den schwierigsten Teil des automatisierten Fahrens heranzukommen, den „Long Tail“ aus abruptem Wetterwechsel, ungewöhnlichen Baustellen, schlechter Fahrbahnmarkierung und unberechenbarem Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer.

Die Größenordnung ist bereits beeindruckend. Bis zum 28. April 2026 hatten fast 750.000 Fahrzeuge mit Super Cruise 1 Milliarde Meilen beziehungsweise rund 1,61 Milliarden km mit aktiviertem System zurückgelegt. Parallel setzt GM Hunderte Datenerfassungsfahrzeuge mit Sensoren und Rechentechnik ein, die den künftigen Serienlösungen nahekommen. Nach Angaben des Konzerns kann die virtuelle Umgebung außerdem täglich das Äquivalent von ungefähr 100 Jahren menschlicher Fahrpraxis simulieren.

Dahinter steckt ein noch tieferer Umbau bei GM. Ende 2024 beschloss der Konzern, Cruise nicht länger als eigenständiges Robotaxi-Geschäft zu finanzieren und Ressourcen auf autonome Funktionen für Privatfahrzeuge umzulenken. Bis Februar 2025 war Cruise vollständig unter die Kontrolle von GM gelangt, während Technik und Ingenieure mit dem Super-Cruise-Team zusammengeführt wurden.

Deshalb wird der Escalade IQ viel mehr als nur ein weiterer Cadillac mit einem schlaueren Assistenzsystem. Er wird zum ersten großen Praxistest der neuen GM-Strategie bei normalen Kunden. Eine universelle Autonomie verspricht der Hersteller trotzdem nicht: eyes-off soll zunächst nur auf dafür vorgesehenen Straßen und nur dort funktionieren, wo der Einsatz erlaubt ist.

Die eigentliche Spannung verlagert sich damit vom Jahr 2028 auf das, was vorher passiert. GM hat bereits mit kontrollierten Tests automatisierter Fahrtechnik auf öffentlichen Straßen begonnen. Das nächste entscheidende Signal werden ausgeweitete Erprobungen und eine präzisere Definition des eyes-off Einsatzbereichs sein. Dann zeigt sich, wie weit das neue System Super Cruise tatsächlich hinter sich lässt.

news.gm.com