Vlad Komarov

25 Sekunden Funkstille am Lenkrad und Volkswagen übernimmt den Notfall

Emergency Assist Plus kann bestimmte Volkswagen des Modelljahrs 2027 selbstständig nach rechts führen, anhalten und Hilfe rufen, wenn der Fahrer nicht mehr reagiert.

Tarantas News zu Ihren bevorzugten Google-Quellen hinzufügen

Volkswagen hat seinen Autos etwas beigebracht, das man vom bisherigen Emergency Assist nicht erwartet hätte. Reagiert der Fahrer nicht mehr, kann der Wagen jetzt mehr, als nur die Spur zu halten und abzubremsen: Bei passenden Straßenbedingungen wechselt er selbstständig nach rechts und hält am Fahrbahnrand an. Genau das leistet Emergency Assist Plus im Modelljahr 2027 — und wie groß der Sprung ist, zeigt besonders deutlich der Vergleich der offiziellen Volkswagen-Hinweise für den Atlas 2026 und 2027.

Die nächste Ausbaustufe von IQ.DRIVE ist für ausgewählte US-Versionen von Atlas, ID. Buzz, Golf und Tiguan vorgesehen. Ist Travel Assist aktiv und berührt der Fahrer 25 Sekunden lang das Lenkrad nicht, startet eine feste Reaktionskette. Zuerst versucht das Auto, den Menschen am Steuer buchstäblich „aufzuwecken“: Warnhinweise erscheinen, ein Signal ertönt, das Fahrzeug bremst mehrmals kurz an und der Sicherheitsgurt strafft sich. Noch immer keine Reaktion? Dann prüft die Elektronik den Raum vor dem Auto und rechts daneben. Erkennt die Kamera genug Platz, steuert der Wagen auf den Seitenstreifen. Ist das nicht sicher möglich, versucht das System, die ganz rechte Fahrspur zu erreichen.

Auch das Ende dieses Ablaufs ist bis ins Detail geplant. Nach dem vollständigen Stillstand werden Warnblinkanlage und elektronische Parkbremse aktiviert, das Getriebe wechselt auf P, die Türen entriegeln, die Innenbeleuchtung geht an und bei entsprechender Ausstattung setzt das Auto einen Notruf ab. Zum autonomen Fahrzeug wird ein Volkswagen dadurch aber nicht: Der Hersteller betont ausdrücklich, dass IQ.DRIVE den Fahrer nur unterstützt. Die Funktion hängt von Fahrbahnmarkierungen, Sicht, Zustand der Sensoren, Verkehrslage und weiteren Bedingungen ab.

B. Naumkin

Und das ist noch nicht alles. Auch Travel Assist wird selbstständiger. Bei Fahrzeugen mit assistiertem Spurwechsel reicht oberhalb von rund 72 km/h ein leichtes Antippen des Blinkerhebels. Die Elektronik prüft die Nachbarspur per Radar und führt den Wechsel aus. Ist dort gerade kein Platz, verschwindet der Wunsch nicht sofort: Bis zu 12 Sekunden kann das System auf eine passende Lücke warten.

Eine weitere Überraschung steckt am Heck. Bestimmte Versionen von Atlas, Tiguan und ID. Buzz erhalten eine Fußgängererkennung beim Rückwärtsfahren. Bei etwa 1,6–9,7 km/h kann das Fahrzeug automatisch bremsen, wenn sich ein Mensch in seinem Fahrweg befindet.

Auch in Europa entwickelt Volkswagen seine Assistenzsysteme in eine ähnliche Richtung. Der aktuelle Connected Travel Assist with Online Data bündelt Längs- und Querführung und unterstützt assistierte Spurwechsel auf Autobahnen. Eine entscheidende Grenze bleibt jedoch bestehen: Es handelt sich um Level 2, Verantwortung und permanente Überwachung liegen also weiterhin beim Fahrer.

Für die US-Modellpalette von Volkswagen 2027 hat das Update besondere Symbolkraft: Der Atlas startet in eine neue Generation, während der ID. Buzz nach dem ausgelassenen Modelljahr 2026 zurückkehrt. Damit drehen sich die Änderungen nicht mehr nur um Design, Motoren oder Infotainment — die Fahrzeuge selbst bekommen deutlich komplexere Strategien für kritische Situationen.

B. Naumkin