01:35 03-01-2026
LFP-Akkus richtig laden: wann 100% sinnvoll sind und was das BMS braucht
Viele E-Auto-Fahrende halten sich an eine einfache Routine: Den Akku meist zwischen 80 und 90 Prozent halten und nur vor einer langen Strecke bis 100 Prozent laden. Bei LFP-Batterien (Lithium-Eisenphosphat) kann die Logik jedoch anders aussehen. Darauf weisen sogar die Fahrzeuge selbst hin: Bei bestimmten Versionen des Mustang Mach‑E rät Ford dazu, mindestens einmal im Monat bis 100 Prozent zu laden, und für Tesla-Modelle mit LFP-Akku empfahl das Unternehmen über längere Zeit, die Ladegrenze auf 100 Prozent zu belassen und mindestens einmal pro Woche vollzuladen.
Der Punkt ist nicht, dass die LFP-Chemie an sich einen hohen Ladezustand bevorzugt; entscheidend ist das Batteriemanagementsystem (BMS). Es schätzt Zustand und Reichweite über Spannung, Strom und Temperatur. Weil die Spannungskurve von LFP im mittleren Bereich generell flacher verläuft, erschwert das Auslassen regelmäßiger 100-Prozent-Ladungen eine präzise Kalibrierung. Eine Vollladung hilft dem BMS, seine Grenzen neu zu setzen und macht Restanzeige sowie Reichweitenprognose zuverlässiger – im Alltag spürbar an einer stimmigeren Anzeige dessen, was noch möglich ist.
LFP gilt meist als günstiger in der Produktion, thermisch stabiler und oft langlebiger, verlangt aber Kompromisse: eine geringere Energiedichte – also bei gleichen Rahmenbedingungen weniger Reichweite – und schwächere Eigenschaften bei starker Kälte. Deshalb taucht LFP häufig in zugänglicheren Ausstattungen auf, etwa in den Standardversionen von Tesla Model 3 und Model Y sowie in Basisvarianten anderer Modelle. So rücken Elektroautos ein Stück näher an den Mainstream.
Trotzdem taugt 100 Prozent nicht als starre Regel für jede Situation. Es gibt Hinweise, dass häufige Vollladungen unerwünschte Prozesse in den Zellen beschleunigen können, auch wenn im realen Einsatz viele LFP-Fahrzeuge selbst bei regelmäßigen 100-Prozent-Ladungen nur geringe Kapazitätsverluste zeigen. Am sinnvollsten ist es, sich strikt an das eigene Auto und dessen Handbuch zu halten: Wenn der Hersteller eine Vollladung einmal pro Woche oder einmal im Monat empfiehlt, dann ist genau das der richtige Weg – eine pragmatische Lösung, die im Alltag am besten funktioniert.