16:35 07-01-2026

Produktionsstopp in Cassino: Alfa Romeo und Maserati betroffen, Stellantis korrigiert E-Strategie

Stellantis hat faktisch die Pause-Taste bei einem seiner wichtigsten italienischen Standorte gedrückt: Das Werk Cassino, in dem Alfa Romeo Giulia und Stelvio sowie der Maserati Grecale entstehen, steht wegen fehlender Bestellungen still. Die Modelle bleiben im Verkauf, doch eine auf deutlich höhere Stückzahlen ausgelegte Fabrik läuft weit unter Soll – und dahinter steckt weniger ein schwacher Monat als eine strategische Entscheidung.

Das Problem liegt weniger im aktuellen Portfolio als in den Nachfolgern. Die nächsten Generationen von Giulia und Stelvio wurden als reine Stromer auf der STLA-Large-Plattform ausgelegt – zunächst ohne Varianten mit Hybrid- oder Benzinantrieb. Als sich die Nachfrage nach E-Autos schneller abkühlte als erwartet und der regulatorische Rahmen unberechenbarer wurde, musste Stellantis einen kostspieligen Kurswechsel einleiten: Künftige Alfas und die verwandten Maserati-Modelle werden so angepasst, dass Benziner, Hybride und Elektroversionen auf einer gemeinsamen Architektur nebeneinander bestehen können. Das wirkt wie eine pragmatische Neujustierung, die die Modellplanung enger an die tatsächlichen Kaufentscheidungen anlehnt.

A. Krivonosov

Der Preis dieses Kurswechsels ist Zeit. Branchenmedien zufolge sind die überarbeiteten Giulia und Stelvio nicht vor 2027 zu erwarten, während die Maserati-Ableger noch später kommen sollen. Folglich bleiben die aktuellen Modelle länger als geplant im Programm – und dennoch steht das Band, weil die Nachfrage den natürlichen Takt des Werks nicht trägt.

Intern spricht man eher von einem Neustart als von einem Rückzug: Elektrovarianten bleiben im Angebot, sie sind nur nicht mehr die einzige Wahl. Vor diesem Hintergrund taugt Cassino als anschauliches Lehrstück dafür, wie rasch ein vollständiger Schwenk zur E-Mobilität ins Leere laufen kann, wenn Pläne der realen Nachfrage und der Infrastruktur enteilen.