Der neue Mercedes-AMG GT: Elektro-Supersportwagen mit Axialflussmotoren

Der neue Mercedes-AMG GT: Elektro-Supersportwagen mit Axialflussmotoren
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David Carter
David Carter, Editor

Der Mercedes-AMG GT als Elektroversion mit 1.169 PS, 800-Volt-Architektur und 600 kW Ladeleistung. Erleben Sie die Zukunft der Performance.

Die Silhouette des neuen Mercedes-AMG GT wurde von Chefdesigner Bastian Baudy und seinem Team geformt. Die entscheidende Errungenschaft ist die Schlichtheit: Trotz eines massiven Akkupakets im Boden liegt das neue Modell 4 cm tiefer als der bisherige V8-Bolide. Mit einer Höhe von 1411 mm und einer Länge von 5094 mm ist es eindeutig ein Sportwagen, auch wenn die niedrige Bauhöhe auf unseren Straßen die üblichen Bodenfreiheitsprobleme mit sich bringt.

Mercedes-AMG GT
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Die Front folgt der typischen AMG-Formensprache: ein konkav geformter Kühlergrill mit vertikalen Lamellen, optional beleuchtet, ein leuchtender Mercedes-Stern in der Mitte und Scheinwerfer mit markanten Tagfahrlicht-Sternen auf jeder Seite.

Die mittlere Karosserielinie beginnt an den vorderen Radläufen und fällt zu einem ebenso breiten Heck ab, wo sechs runde Rückleuchten in Turbinenform mit Sternengrafik – eine direkte Linie zu den Konzepten Vision AMG und GT XX – dem Fahrzeug einen unverwechselbaren Look verleihen.

Im Innenraum des Mercedes-AMG GT steht der Fahrer im Mittelpunkt. Ein nahtloses Glasdisplay kombiniert ein 10,2-Zoll-Instrumentencluster mit einem 14-Zoll-Infotainment-Monitor, der zum Fahrer hin geneigt ist. Drei physische Drehschalter in der Mittelkonsole, leicht erreichbar, steuern die AMG Race Control Unit, sodass der Fahrer Ansprechverhalten, Handling und Radschlupf in neun Stufen anpassen kann.

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Die Passagiere im Fond sitzen auf Einzelsitzen mit konturierten Polstern und in den Boden integrierten Fußräumen. Das Kofferraumvolumen beträgt 507 Liter, dazu kommt ein 62-Liter-Staufach – das macht ihn alltagstauglicher.

Technisch setzt die Version GT 63 auf drei Axialflussmotoren – zwei hinten und einer vorn – mit einer kombinierten Spitzenleistung von 1.169 PS. Mit eingeschalteter Traktionskontrolle spurtet er in 2,1 Sekunden auf 100 km/h und in 6,4 Sekunden auf 200 km/h. Der schwächere GT 55 leistet immer noch formidable 816 PS, genug für einen Spurt auf 100 km/h in unter drei Sekunden.

Der GT 55 kann die Höchstleistung 55 Sekunden lang durchhalten, der GT 63 sogar 63 Sekunden; beide können durch gleichzeitiges Ziehen beider Lenkradpaddel zusätzliche 150 PS abrufen. Mit dem optionalen Driver's Package erreichen beide Modelle 300 km/h. Die WLTP-Reichweite liegt beim GT 55 bei 700 km und beim GT 63 bei bis zu 696 km.

Die Antriebstechnik ist wirklich bahnbrechend. Kein Serien-Elektroauto hat zuvor Axialflussmotoren verwendet, geschweige denn drei davon. Bei einem konventionellen Radialmotor verläuft der elektromagnetische Fluss senkrecht zur Welle; bei einem Axialflussmotor verläuft er parallel. In der Praxis bedeutet das eine unglaubliche Leistungsdichte in einem Paket, das dünn genug ist, um dort Platz zu finden, wo ein normaler Motor nicht hinpassen würde.

An der Hinterachse teilen sich zwei Motoren ein Gehäuse, jeder nur acht Zentimeter breit. Der vordere Motor ist mit neun Zentimetern sogar noch dünner.

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Der Akku ist ebenso beeindruckend. Er basiert auf einer 800-Volt-Architektur und enthält 2.660 zylindrische Zellen. Ein direktes Kühlsystem ermöglicht Lade- und Entladeraten, die bei Serienfahrzeugen bisher unerreicht waren. Die maximale Gleichstrom-Schnellladeleistung beträgt 600 kW: Zehn Minuten laden bringen 460 Kilometer Reichweite. Der Akku lädt in 11 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Diese Werte gehen einen großen Schritt in Richtung Lösung eines der größten EV-Ärgernisse – langes, umständliches Laden.

AMG hat viel Mühe darauf verwendet, ein emotionales Erlebnis zu schaffen, das an einen Supersportwagen mit Verbrennungsmotor erinnert. Im Modus AMG FORCE S+ spielt das Auto einen V8-Motorensound, der auf über 1.600 Audio-Samples basiert und in Echtzeit gemischt wird – mit dem charakteristischen Klang des AMG GT R. Das angepasste Zentraldisplay zeigt einen Drehzahlmesser, und der Sound ändert sich mit dem Fahrstil – ob Vollgasbeschleunigung, sanftes Cruisen im niedrigen Drehzahlbereich oder beim Annähern zum Entsperren. Selbst Hintergrund- und Begrüßungsgeräusche pulsieren mit tiefen Rhythmen, wie ein Herzschlag.

Der Mercedes-AMG GT verfügt über ein völlig neues Fahrwerk. Das aktive AMG Ride Control ersetzt konventionelle Stabilisatoren durch halbaktive Dämpfer, die hydraulisch verbunden sind und Zug- und Druckstufe über eine zentrale Pumpe und Ventile regeln. Die Hinterachslenkung lenkt bis zu sechs Grad in jede Richtung ein. Unter 80 km/h drehen die Hinterräder entgegengesetzt zu den Vorderrädern, um den effektiven Radstand zu verkürzen und die Manövrierfähigkeit zu verbessern; bei höheren Geschwindigkeiten schlagen sie gleichsinnig ein für mehr Stabilität.

Der Allradantrieb AMG Performance 4MATIC+ arbeitet ohne herkömmliches Differential; die Drehmomentverteilung übernehmen die unabhängigen Hintermotoren. Das System ist voll einstellbar und wechselt nahtlos zwischen Hinterrad- und Allradantrieb, so schnell, dass der Fahrer es nicht bemerkt. Aktive Aerodynamik rundet das Paket ab: Unterboden-Venturi-Kanäle, die sich bei 120 und 140 km/h öffnen, ein Heckspoiler, ein geschwindigkeitsabhängiger Spoiler und das Airpanel-System, das den Luftstrom über neun vertikale Lamellenpositionen reguliert.