Volkswagen hat einen Weg gefunden, zuerst zu faszinieren und erst später zu erklären. SAIC Volkswagen hat das erste rein elektrische Modell der ID.ERA-Familie angeteasert – und lässt sich mit den Details sichtlich Zeit. Ein neuer Lidar-Sensor wurde gezeigt, das Fahrassistenzsystem Xingyun bestätigt. Doch die Fragen, die Käufer wirklich interessieren – wie weit reicht eine Akkuladung, welcher Akku steckt drin, wie viel Leistung, wie schnell lädt er – bleiben offen. Nicht einmal der Modellname ist bekannt.
Das Teaserbild zeigt die Front mit einem schmalen LED-Streifen und dem beleuchteten Volkswagen-Emblem. Das Design erinnert an den bereits erhältlichen ID.ERA 9X – doch diese Ähnlichkeit täuscht. Technisch handelt es sich um ein völlig anderes Fahrzeug. Der 9X nutzt einen Benzinmotor lediglich als Generator zum Nachladen der Batterie unterwegs. Das neue Modell wird der erste vollelektrische Vertreter der Baureihe – ganz ohne das Sicherheitsnetz eines Tanks.
Das System Xingyun wird großzügig beschrieben: Fahrassistenz auf Stadtstraßen und Autobahnen, dazu die Fähigkeit, von einem Parkplatz direkt zum nächsten zu navigieren. Grundlage ist ein physisches KI-Modell, das bereits im ID.ERA 9X zum Einsatz kommt. Der Lidar verbessert die Hinderniserkennung, macht das Auto aber nicht zum Roboterauto – die Kontrolle über die Straße bleibt beim Fahrer. Bei aller Technik: Die Hände müssen trotzdem am Lenkrad bleiben.
Zum Vergleich: Der im Frühjahr gestartete ID.ERA 9X kostet in China im Rahmen eines befristeten Programms ab 299.800 Yuan. Seine Antriebsbatterie liefert nach CLTC-Zyklus mehr als 400 km, zusammen mit dem Benzingenerator erreicht die Gesamtreichweite 1.651 km. Ein reines Elektroauto wird dieses Sicherheitspolster naturgemäß nicht haben – es gibt keinen Generator, der einspringt, wenn der Akku leer wird. Genau deshalb entscheiden Akku, Effizienz und Ladeleistung darüber, ob sich der Neuling gegen die Konkurrenz behaupten kann.
SAIC Volkswagen hatte für die ID.ERA-Reihe bereits drei Antriebsarten angekündigt: batterieelektrisch, Plug-in-Hybrid und seriellen Hybrid. Das neue Auto ist der erste echte Beweis für dieses Versprechen. Bislang hat der Hersteller aber nur Lichttechnik und Sensorik gezeigt. Ohne Preis und technische Daten lässt sich seine Chance gegen die chinesischen Elektro-Crossover schlicht noch nicht bewerten.