China verlässt sich nicht mehr auf das bloße Wort der Autopilot-Hersteller. Erstmals gibt es im Land eine landesweit verbindliche Sicherheitsschwelle für Fahrzeuge, die sämtliche Fahraufgaben selbstständig übernehmen können, ganz ohne Ausnahmen. Der Standard GB 44721-2026 wurde am 30. Juli veröffentlicht und tritt am 1. Juli 2027 in Kraft. Er gilt für Personen- und Nutzfahrzeuge der Stufen L3 und L4, automatische Einparksysteme sind ausgenommen.
Die Anforderung ist unmissverständlich: Der Autopilot muss mindestens so gut fahren wie ein qualifizierter, aufmerksamer Fahrer. Das System darf kein unangemessenes Risiko schaffen, und bei einer Störung oder außerhalb der zugelassenen Bedingungen muss es ein risikominimales Manöver ausführen, etwa sicher abbremsen und anhalten. Für Stufe L3 ist zusätzlich vorgeschrieben, die Übernahmebereitschaft des Fahrers zu überwachen.
Das Fahrzeug muss eindeutig anzeigen, wann der Autopilot aktiviert oder deaktiviert wird, wann eine Übernahme angefordert wird und wann sich die Rolle des Fahrers ändert. Die Hersteller müssen zudem die tatsächlichen Grenzen und Einschränkungen des Systems offenlegen, nicht nur in der Bedienungsanleitung, sondern auch auf der Webseite oder dem Bordbildschirm. Eine einzige gelungene Vorführfahrt reicht künftig nicht mehr aus.
Unternehmen müssen eine Sicherheitskontrolle aufbauen, die von der Entwicklung bis zum Betrieb bereits ausgelieferter Fahrzeuge reicht, ein technisches Dossier führen und Simulations-, Testgelände- und Straßentests durchführen. Die abschließende Prüfung übernehmen unabhängige Organisationen mit mehreren Methoden. Der neue Standard ersetzt vollständig den bisher freiwilligen GB/T 44721-2024. Er macht aus verbreiteten L2-Systemen aber keinen echten Autopiloten und öffnet auch nicht automatisch jedem Fahrzeug den Weg zum fahrerlosen Fahren, das sollte man nicht vergessen.
2025 erhielten in China lediglich zwei L3-Modelle eine Zulassung mit Auflagen. Für jedes einzelne Fahrzeug ist weiterhin ein eigenes Verfahren nötig. Käufer sollten also nicht auf das Wort „smart“ in der Werbung schauen, sondern auf die offiziell bestätigte Automatisierungsstufe und die Liste der Straßen, Geschwindigkeiten und Wetterbedingungen, für die das System tatsächlich ausgelegt ist.