Der elektrische Mercedes-AMG ist plötzlich 39.270 Euro günstiger geworden — und nein, das ist kein Ausverkauf, sondern eine vollwertige neue Version. Der viertürige GT 53 kommt am 13. August in Deutschland in den Verkauf, Preise ab 115.430 Euro, während der im Frühjahr gestartete GT 55 mindestens 154.700 Euro verlangt. Trotzdem leistet der „kleine“ AMG stolze 544 PS und 800 Nm. Nicht schlecht für ein Einstiegsticket, oder?
Technisch unterscheidet sich der GT 53 vom GT 55 und GT 63 deutlich stärker, als das Typenschild vermuten lässt. Die Topversionen tragen drei Axialflussmotoren und stemmen in der stärksten Ausbaustufe bis zu 860 kW — satte 1169 PS. Der GT 53 geht einen anderen Weg: zwei Synchronmotoren — ein Hauptantrieb hinten und ein zuschaltbarer Motor vorn — dazu ein Zweiganggetriebe an der Hinterachse.
Auch der Sprint fällt gelassener aus. Mercedes nennt 3,5 Sekunden auf 100 km/h, doch es gibt einen Haken: Der Wert stammt aus der amerikanischen 1-Foot-Rollout-Methode, bei der die ersten 30,48 cm der Bewegung nicht mitgezählt werden. Der ehrliche Wert ohne Rollout liegt bei 3,9 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 230 km/h begrenzt, mit dem AMG Driver’s Package sind 250 km/h drin.
Dafür sind lange Strecken der größte Trumpf des GT 53. Die nutzbare Kapazität der 800-Volt-Batterie beträgt 106 kWh, die vorläufige Reichweite liegt je nach Ausstattung zwischen 682 und 809 km nach WLTP. Die maximale Schnellladeleistung wird mit beeindruckenden 600 kW angegeben: Von 10 auf 80 % soll die Batterie in 11 Minuten kommen. Und in zehn Minuten verspricht Mercedes rund 70 kWh nachzuladen — bis zu 534 km rechnerische Reichweite.
Es gibt allerdings einen wichtigen Vorbehalt. Mercedes räumt offen ein, dass die Angaben zu Verbrauch, Reichweite und Laden noch vorläufig sind — das Auto hat weder endgültige Werte einer offiziell anerkannten Prüforganisation noch die europäische Typgenehmigung erhalten. Die 809 km und 600 kW versteht man daher besser als erklärte Zielwerte, nicht als final zertifizierte Daten.
Noch ein Detail, bei dem sich Puristen an den Kopf fassen dürften, ist der künstliche Sound. Das Fahrprogramm AMGFORCE Sport+ reproduziert den Charakter des 3,0-Liter-Reihensechszylinders aus dem früheren Mercedes-AMG E 53 Coupé, während die Elektronik Gangwechsel mit kurzer Zugkraftunterbrechung simuliert. Für die Originalaufnahme platzierten die Ingenieure Mikrofone an 16 Positionen und führten mehr als 100 Messungen durch. Ein ernsthafter Aufwand für eine schöne Illusion.
Unterm Strich ist der GT 53 eben nicht bloß eine gedrosselte Version der stärkeren Elektro-AMG. Er kostet rund ein Viertel weniger als der GT 55, bekommt einen anderen Antrieb und zielt deutlich stärker auf Reichweite. Ja, auf die extreme Dynamik muss man verzichten. Doch 3,9 Sekunden auf 100 km/h und 544 PS rücken ihn weit weg von der üblichen Vorstellung einer „Einstiegsversion“.