Damit hatte bei Tesla niemand gerechnet: rund 12.000 ausgelieferte Fahrzeuge in sechs Monaten, gegenüber knapp über 10.000 im gesamten Jahr 2025. Die Nachfrage in Japan ist so schnell gestiegen, dass nicht mehr der Verkauf das Problem ist, sondern etwas viel Grundlegenderes – die Übergabe der Autos an die Käufer. Laut Nikkei wird Tesla die Zahl seiner Abholzentren in Japan 2026 von sieben auf 11 erhöhen, ein Plus von fast 60 %. Tesla-Japan-Chef Richie Hashimoto sprach bereits im Frühjahr von einer deutlichen Expansion des Unternehmens im Land. Den Worten folgten Taten.
Der Höhepunkt war im Juni – rund 4.000 Fahrzeuge, überwiegend Model Y. Das gewohnte Auslieferungssystem war dem nicht gewachsen. Japanische Quellen berichteten schon damals von überlasteten Übergabepunkten und Fahrzeugen, die in Hafenlager umgeleitet wurden.
Hashimoto erklärte die Lage so: „Eine Aktion mit kostenlosem Laden und weitere Faktoren haben einen Nachfrageschub ausgelöst und das Gleichgewicht bei den Lieferungen gestört.“
Die Anreize wirken tatsächlich. Tesla gibt offiziell für Model 3 und Model Y eine nationale CEV-Förderung von 1,27 Millionen Yen an – umgerechnet rund 8.000 US-Dollar –, und auf der japanischen Website wirbt die Marke derzeit mit drei Jahren kostenlosem Laden an Superchargern.
In der Folge musste die gesamte Importkette umgebaut werden. Bisher kamen Tesla-Fahrzeuge hauptsächlich über Yokohama ins Land, seit Juli löscht das Unternehmen im großen Stil im Hafen von Mikawa in der Präfektur Aichi. Allein über den neuen Standort will Tesla in drei Monaten rund 6.000 Fahrzeuge einführen – das verkürzt den Logistikweg für den Westen Japans erheblich.
Neue Abholzentren sind unter anderem im Raum Yokohama und Kobe geplant, danach soll das Netz auf den Großraum Tokio und Nagoya ausgeweitet werden. Für Tesla ist das ein seltenes Szenario: Der begrenzende Faktor beim Absatz in Japan ist nicht mehr fehlendes Interesse an E-Autos, sondern die Kapazität der eigenen Logistik. Die nächste Frage lautet, ob dieses Tempo bestehen bleibt, wenn die Förderaktionen auslaufen und der aufgestaute Bedarf abgebaut ist.