Geely spielt nicht länger auf Zeit. Die Idee, Volvos europäische Werke für eigene Fahrzeuge zu nutzen, ist aus der Gesprächsphase heraus und hat jetzt ein konkretes Datum: Die Massenproduktion von Premiummodellen aus dem Geely-Automobile-Ökosystem soll 2028 anlaufen. Welcher Standort und welche Modelle das genau betrifft, ist noch nicht bekannt — und genau das bleibt die große offene Frage des Projekts.
Wie Jiemian berichtet, nannte An Conghui den Zeitplan während der Halbjahreskonferenz von Geely Automobile. Volvos europäische Werke sollen demnach zu einer wichtigen Produktionsbasis für die teuren Modelle der Gruppe werden.
Im Frühjahr klangen die Formulierungen noch deutlich vorsichtiger. Im März sprachen Geely-Gründer Li Shufu und Volvo-Cars-Chef Håkan Samuelsson lediglich davon, freie Kapazitäten an Volvos Standorten in Schweden, Belgien und der Slowakei nutzen zu wollen — ohne konkretes Startdatum. Jetzt gibt es eines: 2028.
Eines der Werke wird sogar schon aktiv auf die neue Rolle vorbereitet. Im Quartalsbericht für das zweite Quartal 2026 erklärte Volvo Cars ausdrücklich, dass eine höhere Auslastung des Werks im belgischen Gent auch die Auftragsfertigung für andere Marken umfassen könnte. Neben Gent und dem schwedischen Torslanda baut Volvo zudem ein Werk in Košice — aktuelle Stellenausschreibungen deuten auf einen Produktionsstart in der Slowakei bereits 2027 hin.
Es ist auch nicht Geelys einziger Vorstoß in Europa. Im Juli einigte sich das Unternehmen mit Ford auf ein Gemeinschaftsunternehmen im Werk Valencia. Ab 2028 sollen dort zwei elektrische SUV der Marke Geely vom Band laufen; Geely hält 34 % an dem Joint Venture, Ford die restlichen 66 %.
Damit wird 2028 für Geely zum Startpunkt einer groß angelegten Lokalisierung in Europa — gleich auf zwei Wegen: über das Ford-Werk und über Volvos Produktionssystem. So lassen sich bestehende Kapazitäten nutzen, statt mehrere neue Werke von Grund auf zu bauen.
Denkbar wäre, dass Modelle von Zeekr und Lynk & Co in Volvos Werken gefertigt werden — etwa der Zeekr 9X, ein künftiger 8X oder der Lynk & Co 900. Konkrete Marken, Modelle, ein Werk oder Produktionsmengen hat Geely bislang aber nicht genannt. Der nächste Prüfstein wird das eigentliche Produktionsprogramm sein — ohne dieses ist jede Aussage über eine europäische Fertigung eines bestimmten Zeekr- oder Lynk-&-Co-Modells verfrüht.