Fast 1.000 Schichten Holz und Papier – und das ist beim neuen Bentley nur der Anfang

Fast 1.000 Schichten Holz und Papier – und das ist beim neuen Bentley nur der Anfang
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Dmitry Yakin
Autor: Dmitry Yakin

Bentleys erstes Elektroauto bekommt ein Walnuss-Papier-Furnier mit fast 1.000 Schichten und eine Innenausstattung aus 100 % Merinowolle von Fox Brothers vor der Premiere im September.

Fast 1.000 Schichten aus Walnussholz und Recyclingpapier – genau dieses Material will Bentley im Innenraum seines ersten Elektro-Serienmodells, dem Torcal, verbauen. Noch ungewöhnlicher ist allerdings der Stoff: Der Hersteller spricht vom ersten automobiltauglichen Material aus 100 % Merinowolle überhaupt. Bis zur Weltpremiere bleibt kaum mehr als ein Monat, und Bentley lässt sich damit sichtlich nicht bis zur letzten Minute Zeit – die Marke enthüllt Schritt für Schritt, was den Torcal jenseits des Elektroantriebs auszeichnen soll.

Für die Wollausstattung holte sich Bentley Fox Brothers ins Boot. Das größte Problem reiner Merinowolle war stets ihre Haltbarkeit unter Fahrzeugbedingungen, weshalb der Stoff praktisch neu entwickelt werden musste, um Bentleys Anforderungen zu erfüllen. Käufer können zwischen sechs Farbtönen wählen. Leder verschwindet dabei nicht aus dem Innenraum: Die Wolle ergänzt die klassische Ausstattung, sie ersetzt sie nicht.

Die zweite Neuheit heißt Ombre Veneer. Walnussholz wird mit Recyclingpapier kombiniert, rund tausend Schichten werden zu einem einzigen Zierteil gepresst. Die Idee dahinter ist spannender als das übliche Öko-Häkchen: Bentley will die optische Tiefe eines Furniers erreichen, ohne auf echtes Holz zu verzichten. Das dritte Finish, Sunburst Aluminum, interpretiert die gedrehten Aluminiumpaneele früherer Modelle neu. Diese Metallverarbeitungstechnik gehört tatsächlich zum historischen Repertoire von Bentley und wird bis heute in besonders aufwendigen Mulliner-Projekten eingesetzt.

Der Torcal wird Bentleys vierte feste Modellreihe neben Continental GT, Flying Spur und Bentayga. Bereits gezeigt hat die Marke den „schwebenden“ Rautenkühlergrill und ein ungewöhnliches digitales Lichtdekor, das auf echtem, handgeschliffenem britischem Kristallglas basiert.

Selbst der synthetische Sound des Elektroantriebs ist hier keine gewöhnliche elektronische Motorsimulation. Bentley hat einen echten V8 und einen Live-Schlagzeuger aufgenommen, die fertige Komposition besteht aus Schlagzeug, Bratsche und Bassgitarre und verändert sich in Echtzeit mit den Aktionen des Fahrers. Das ergibt eine bemerkenswert konsequente Strategie: physische Materialien, echte Musikinstrumente und handgefertigte Details sollen jene digitale Sterilität vertreiben, die bei einem Ultra-Luxus-Elektroauto besonders gefährlich wäre.

Bei den harten Zahlen bleibt Bentley allerdings deutlich zurückhaltender als beim Interieur. Auf der offiziellen Torcal-Seite sind Energieverbrauch und elektrische Reichweite für die EU noch als „ausstehende Typgenehmigung“ gekennzeichnet – die in Berichten kursierenden rund 300 Meilen beziehungsweise 483 km sollten also noch nicht als finale, zertifizierte Reichweite gelten.

Bei den Prototypentests im Juni verbarg Bentley noch den Großteil der Serienserien-Details. Jetzt verlagert sich der Fokus von Tarnfolie und Plattform auf das, wofür Käufer im Ultra-Luxussegment tatsächlich Aufpreis zahlen: Haptik, Herkunft der Materialien und ein Innenraum, der sich nicht wie der seines massentauglichen Elektro-Cousins anfühlt.

Vollständig vorgestellt wird der Torcal am 23. September. Nach dem Tempo der laufenden Kampagne zu urteilen, dürfte Bentley bis dahin noch weitere Innenraum- und Technikdetails enthüllen – offizielle europäische Batterie- und Reichweitenwerte bleiben vorerst eine offene Frage.

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