Bugatti hat einen Tourbillon mit drei Pedalen bislang nicht bestätigt. Doch die Idee eines echten Schaltgetriebes wird bereits auf Ebene der Unternehmensspitze diskutiert – und das klingt deutlich ernster als bloss Wunschdenken der Fans.
Beim Monterey Car Week antwortete Mate Rimac auf die Frage von Road & Track nach einem solchen Auto: „Ja, definitiv. Definitiv. Ich stimme zu hundert Prozent zu. Stellen Sie sich einen V16 mit Handschaltung vor. Eine echte Handschaltung“.Format und Zeitrahmen eines möglichen Projekts nannte er nicht. Doch dieser eine Satz hat bereits Schlagzeilen wie „Bugatti mit Handschaltung bestätigt“ ausgelöst – obwohl das formal so nicht stimmt.
Und hier liegt der Grund, warum das nicht einfach bedeutet, einen Hebel statt Schaltwippen einzubauen. Die hintere Antriebseinheit des Tourbillon vereint einen 8,3-Liter-Saugmotor-V16, ein 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, ein Torque-Vectoring-Differenzial und einen 250-kW-Elektromotor an der Hinterachse. Die gesamte Einheit wiegt nur 430 kg. Zwei weitere Elektromotoren arbeiten an der Vorderachse, die Systemleistung erreicht insgesamt 1800 PS.
Der V16 allein leistet 1000 PS bei 9000 U/min und liefert 900 Nm. Eine echte Handschaltung wäre also keine kosmetische Anpassung, sondern erfordert eine komplette Neuauslegung der Logik: die Integration des hinteren Elektromotors, der Hybridsteuerung und der Momentenverteilung müssten neu gelöst werden. Es geht nicht darum, einfach ein Kupplungspedal und einen Hebel hinzuzufügen – es ist eine neue Architektur. Der aktuelle Tourbillon ist auf 250 Exemplare limitiert und kostet ab 3,8 Millionen Euro.
Einen Präzedenzfall hat die Marke allerdings – und zwar einen lautstarken. Der EB110 nutzte ein echtes Sechsgang-Schaltgetriebe mit kurzem Schaltweg, einen 3,5-Liter-V12 mit vier Turboladern und Allradantrieb mit einer Momentenverteilung von 27:73. Je nach Version leistete der Motor 560 bis 610 PS. Der EB110 bleibt bis heute der letzte moderne Straßen-Bugatti mit klassischem Schaltgetriebe – seit fast drei Jahrzehnten.
Das realistischste Szenario ist derzeit keine neue Serienversion des Tourbillon, sondern ein Einzelstück-Projekt. Bugatti führt bereits das Programme Solitaire, das speziell für einzigartige Einzelfahrzeuge geschaffen wurde. Auch Road & Track nennt dieses Programm als mögliche Plattform für einen V16 mit Handschaltung. Doch bislang ist das nur eine denkbare Entwicklungsrichtung – kein angekündigtes Auto.