Der chinesische Audi, der seinen deutschen Cousin um 30.000 Euro unterbietet

Der chinesische Audi, der seinen deutschen Cousin um 30.000 Euro unterbietet
B. Naumkin / Tarantas.News
Vlad Komarov
Autor: Vlad Komarov

Ein in China gebauter AUDI E5 kostet in Deutschland satte 30.770 Euro weniger als der offizielle Audi S6 Sportback e-tron — beim E7X ist die Lücke kaum kleiner.

Diese Preislücke hat keiner kommen sehen — und sie liegt bereits bei über 30.000 Euro. Der unabhängige Importeur Auto China bietet den in China gebauten AUDI E5 Sportback Flagship quattro in Deutschland für 68.730 Euro an. Der offizielle Audi S6 Sportback e-tron startet aktuell bei 99.500 Euro. Die Differenz: 30.770 Euro. Eine Zahl, die man nicht kleinreden kann.

Das Paradoxe daran: Audi hat die Marke AUDI zusammen mit SAIC eigens für China gegründet — und nun rollen die Autos von dort direkt zurück in den Heimatmarkt des Konzerns. Der Kreis schließt sich. Audi selbst beschreibt E5 und E7X offiziell als Produkte, die auf chinesische Käufer und das lokale digitale Ökosystem zugeschnitten sind. Der E5 wird in Shanghai gebaut und leistet bis zu 579 kW, also 787 PS; der E7X ist bereits das zweite Serien-Elektroauto der chinesischen AUDI-Baureihe.

Auto China nennt für den E5 Flagship eine Reichweite von 647 km nach CLTC-Zyklus, einen Sprint auf 100 km/h in 3,4 Sekunden, Luftfederung, Hinterachslenkung, Lidar, 11 Kameras und ein 59-Zoll-Displaypanel. Der Importeur wirbt mit europäischer Zulassung, Ladeadapter, Lieferung und einem zweijährigen Service- und Garantiepaket. Das ist allerdings keine offizielle Werksgarantie des europäischen Audi-Vertriebs, sondern das Angebot eines unabhängigen Kanals. Ein wichtiger Unterschied.

Beim E7X wiederholt sich der Preiskonflikt — mit einer noch interessanteren technischen Pointe. Der Konfigurator von Auto China zeigt 81.650 Euro für den vierplätzigen Flagship quattro mit gewählten Leistungen. Der offizielle Audi SQ6 Sportback e-tron kostet in Deutschland ab 96.200 Euro. Macht eine Differenz von rund 14.550 Euro. Und dabei leistet der chinesische E7X 500 kW, also rund 680 PS, während der SQ6 Sportback e-tron kurzzeitig maximal 380 kW, also 517 PS, abruft. Die chinesische Version ist schlicht die stärkere.

AUDI E7X
© B. Naumkin / Tarantas.News
Doch die Ersparnis bringt auch Unsicherheit mit sich. Ein Audi-Sprecher erklärte gegenüber der Automobilwoche: „Die Modelle der Schwestermarke AUDI basieren auf einer eigenen, gemeinsam mit unserem Partner SAIC entwickelten Advanced Digitized Platform und sind tief in das digitale Ökosystem Chinas integriert.“ Fahrerassistenzsysteme, Online-Funktionen und die Software-Infrastruktur müssten daher außerhalb des chinesischen Marktes gesondert bewertet werden. Auch bei Ersatzteilverfügbarkeit und Reparaturerfahrung mit solchen Fahrzeugen in Europa gebe es offene Fragen.

Genau der Service ist es, der diesen Import von einem normalen Kauf eines europäischen Audi unterscheidet. Ein niedriger Preis verschafft noch keinen Zugang zum regulären europäischen Support-Modell, nur weil AUDI auf dem Heck steht. Der Bundesverband freier Kfz-Händler in Deutschland begegnet dem Modell mit Vorsicht. Präsident Ansgar Klein wird deutlich: „Als Händler würde ich selbst keine Fahrzeuge aus China importieren. Auch wenn die Juristen grünes Licht geben, bleibt ein reales Restrisiko.“ Eine Warnung aus erster Hand.

Die Preislücke fällt umso mehr auf, wenn man die jüngsten Änderungen an Audis europäischer Modellpalette betrachtet: Audi wertet den eigenen A6 e-tron auf, ohne den Basispreis zwingend anzuheben — doch selbst das ändert nichts an der grundsätzlichen Differenz bei Kostenstruktur und Positionierung zwischen der chinesischen und der deutschen Modellreihe.

E5 und E7X sind in Deutschland derzeit also weniger eine neue europäische Audi-Modellreihe als vielmehr ein kostspieliges Parallelimport-Wagnis mit ungewöhnlich attraktivem Preis. Die eigentliche Bewährungsprobe ist nicht die Zahl der importierten Fahrzeuge, sondern die Frage, wie europäische Zulassung, Reparaturen, Softwarefunktionen und Teileversorgung über Jahre im Alltag standhalten. Ob sich die Ersparnis lohnt, wird sich zeigen.

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