35 mm. Für eine Karosserie eine kleine Zahl — aber genau dort, wo die Passagiere sie spüren werden. ShortsCar hat einen neuen Vorserien-Prototyp der sechsten Kia-Sportage-Generation zerlegt, und schon der erste Fund lohnt sich: Der Radstand wurde auf rund 2.790 mm gemessen, gegenüber offiziellen 2.755 mm beim aktuellen koreanischen Sportage. Und das ist noch nicht alles — am selben Prototyp wurden erstmals 20-Zoll-Felgen mit Michelin-Pilot-Sport-Reifen entdeckt — das aktuelle koreanische Modell begnügt sich mit maximal 19 Zoll.
Mit der einfachen Rechnung sollte man trotzdem nicht vorpreschen. Der heutige Sportage existiert in unterschiedlichen Karosserie-Spezifikationen: Das koreanische Auto hat einen Radstand von 2.755 mm, die europäische Version der fünften Generation dagegen nur 2.680 mm. Die Behauptung, „der europäische Sportage wachse nur um 35 mm", ist deshalb verfrüht. Kia hat die Maße der sechsten Generation noch nicht bekannt gegeben und auch nicht bestätigt, ob es überhaupt weiterhin eine eigene kurze Karosserie für Europa geben wird.
Der Design-Wandel dagegen lässt sich am Prototyp bereits gut ablesen. Die Front wirkt spürbar aufrechter, Motorhaube und Kotflügel erinnern an das elektrische EV5, in den Kühlergrill ist eine Kamera integriert, darunter sitzt ein Radar. Am Heck werden vertikale, rechteckige Rückleuchten mit tief angesetzten Blinkern erwartet. Wozu sich Kia dagegen nicht durchgerungen hat: bündige Türgriffe. Der Testwagen behält ganz normale mechanische Griffe. Diese Details betreffen vorerst aber nur den erwischten Prototyp, nicht eine bestätigte Serienspezifikation.
Der wirkliche Sprung dürfte im Innenraum passieren. Die Quelle spricht von einem neuen Lenkrad und einem großen Pleos-Connect-Display — und das ist keine leere Ankündigung, denn die Plattform ist bereits offiziell. Die Hyundai Motor Group hat sie 2026 eingeführt und will sie schrittweise auf Hyundai, Kia und Genesis ausweiten, um die Pleos-Connect-Flotte bis 2030 auf rund 20 Millionen Fahrzeuge zu bringen. Die 17-Zoll-Bildschirmdiagonale und ihr Debüt ausgerechnet im Sportage hat Kia allerdings noch nicht separat bestätigt.
Auch bei den Motoren ist noch nichts endgültig entschieden. Laut Korean Car Blog könnte die Palette in Südkorea und Europa vollständig auf MHEV, HEV und PHEV umsteigen — ohne jede unelektrifizierte Version. Das würde zur aktuellen Modellentwicklung passen: Der heutige Sportage HEV wird bereits mit 239 PS angeboten, der Schritt wirkt fast folgerichtig. Kia hat aber noch keine offizielle NQ6-Motorenpalette veröffentlicht, und Quellen erwarten für den US-Markt weiterhin eine eigene Benzinvariante.
Für Kia steht hier mehr auf dem Spiel als bei einem gewöhnlichen Generationswechsel. Der Sportage ist das weltweit meistverkaufte Modell der Marke: 2025 setzte Kia 569.688 Exemplare ab. Zusätzliche Millimeter im Innenraum, neue Elektronik und der Schritt zur Hybridisierung betreffen also nicht ein Nischenmodell, sondern das globale Zugpferd der Marke.
Der nächste echte Prüfstein ist die offizielle Bekanntgabe der Maße. Erst sie zeigt, ob 2.790 mm zum Serienwert des globalen Sportage werden oder nur für eine einzelne langradstandige Prototyp-Spezifikation gelten. Bis dahin gelten 20-Zoll-Räder, 17-Zoll-Bildschirm und die Zusammensetzung der Hybridpalette als vorläufig.