Dieser Hybrid-Pickup lädt Drohnen, bietet Schlafplätze und wird zum Kraftwerk

Dieser Hybrid-Pickup lädt Drohnen, bietet Schlafplätze und wird zum Kraftwerk
B. Naumkin / Tarantas.News
Dmitry Yakin
Autor: Dmitry Yakin

Auf der Chengdu Motor Show 2026 zeigte GWM, was ein Hi4-T-Hybrid-Pickup wirklich kann: 30 kW zum Laden von Drohnen, ein Klapp-Camper und sogar ein komplettes Wohnmobil.

Great Wall nutzte die Chengdu Motor Show 2026, um eine Frage zu beantworten, die kaum jemand laut gestellt hat: Was passiert, wenn man einen Hybrid-Pickup nicht mehr nur als Pickup betrachtet? Auf dem GWM-Stand fotografierten die Journalisten von Tarantas.News gleich mehrere Cannon/Poer Hi4-T-Modelle, die zu einem mobilen Kraftwerk für Drohnen, einem Expeditionsfahrzeug und einem kompakten Camper umgebaut wurden — und das Ergebnis ist deutlich spannender als eine weitere Ausstattungsvariante mit neuen Felgen.

Die wichtigste Neuvorstellung ist die Commercial Cannon Hi4-T Flyer Edition, speziell für gewerbliche Drohnenpiloten entwickelt. Gleichzeitig baut GWM auch den Reisebereich aus: Auf demselben Stand stehen Fahrzeuge mit Dachzelten und vollwertigen Wohnaufbauten. Alle drei neuen Ökosystem-Varianten des Hi4-T feierten genau hier in Chengdu ihre Premiere.

Der Drohnen-Pickup liefert 30 kW nach außen

Der blaue Pickup auf den Fotos wirkt am ungewöhnlichsten: Über der Ladefläche ist ein großes Drohnensystem montiert. Es handelt sich um die Commercial Cannon Hi4-T Flyer Edition — eine Spezialversion für alle, die Drohnen in der Landwirtschaft, bei der Geländeüberwachung und bei anderen Außeneinsätzen nutzen.

Der eigentliche Clou steckt aber nicht in der Drohne selbst, sondern im Energiesystem des Fahrzeugs. Die externe Abgabeleistung wurde auf 30 kW erhöht, wobei gleichzeitig zwei Drohnenbatterien schnell geladen werden können. Ein voller Ladezyklus dauert laut Hersteller nur 8–9 Minuten.

Der Pickup selbst verfügt über eine 33,1-kWh-Traktionsbatterie und einen 75-Liter-Tank. Gleichzeitiges Laden und externe Abgabe von bis zu 27 kW werden unterstützt, wodurch das Fahrzeug im Feld praktisch als autarkes Kraftwerk arbeiten kann. Die Schnellladeleistung des Fahrzeugs selbst erreicht 110 kW: Von 30 auf 80 % lässt sich die Batterie in rund 18 Minuten aufladen.

Dahinter steckt das bekannte Hi4-T-System mit dem 2.0T-Benziner und einer neunstufigen Hybrid-Automatik. Die Systemleistung des Serien-Cannon Hi4-T liegt bei 310 kW — rund 422 PS — und 750 Nm. Die Allradversion schafft rein elektrisch 95 km nach WLTC.

Das ist einer der seltenen Fälle, in denen eine enorme externe Leistung keine reine Marketingzahl für die Kaffeemaschine beim Camping ist. Die 30 kW sind für echtes Arbeitsgerät gedacht, und GWM versucht damit im Grunde, dem klassischen Benzingenerator und mobilen Ladestationen Marktanteile abzunehmen.

Der Shanhai Cannon wird zum kompakten Zuhause

Das andere Fahrzeug, das die Kamera von Tarantas.News einfing, ist ein schwarzer Shanhai Cannon Hi4-T Light Travel Edition. Auf dem Dach sitzt ein ausklappbares Wohnmodul, ergänzt um Außenbeleuchtung, einen Expeditionsträger und Geländeausrüstung.

Im geschlossenen Zustand liegt die Fahrzeughöhe bei etwa 2153 mm. Das ist der entscheidende Punkt: Die meisten großen Camper müssen draußen vor gewöhnlichen Tiefgaragen bleiben, während Great Wall hier offenbar versucht hat, die Alltagstauglichkeit zu erhalten.

Nach dem Anheben des Dachs entsteht innen ein Raum mit mindestens 1,8 Metern Stehhöhe, der Schlafbereich bietet Platz für ein bis zwei Personen. Für den zuvor vorgestellten Shanhai Cannon Hi4-T Light Travel wurden ein 2380 mm langes Bett, eine integrierte Beleuchtung und eine Kochmöglichkeit angegeben.

Die Version basiert auf dem Shanhai Cannon Hi4-T mit einer 37,1-kWh-Batterie. Der Antrieb leistet rund 300 kW — 408 PS — bei 750 Nm. Der Pickup kann nach außen bis zu 6 kW abgeben und hat eine werkseitige Anhängelast von bis zu 3,3 Tonnen.

Der Preis für dieses Fahrzeug in China liegt bei rund 259.800 Yuan.

Direkt daneben: ein echtes Pickup-Wohnmobil

Auf demselben Stand fotografierten die Journalisten außerdem einen orangefarbenen Wagen mit einem deutlich größeren Wohnaufbau. Anders als bei der vergleichsweise kompakten Light Travel Edition ist hier die Ladefläche praktisch durch ein vollwertiges, starres Wohnmodul mit Hubdach ersetzt.

Auf dem Fahrzeug ist das Logo von Lanzhong RV zu sehen — einem Hersteller, der historisch eng mit Great Wall verbunden ist und seit Jahren Camper auf dem Fahrgestell des Cannon-Pickups baut.

Konstruktiv ist dieses Modell schon deutlich näher an einem klassischen Wohnmobil: Der hohe, starre Aufbau bietet mehr Platz für Ausrüstung und Wohnbereich, während der Hubteil die Innenhöhe erst nach dem Anhalten vergrößert. Gleichzeitig behält das Fahrzeug sein geländegängiges Fahrgestell und kommt dorthin, wohin sich ein großes Wohnmobil auf einem Nutzfahrzeug-Chassis kaum trauen würde.

Genau darin liegt der zentrale Unterschied zwischen den beiden Ansätzen, die Great Wall hier nebeneinander zeigt. Die Light Travel Edition versucht, im Alltag ein ganz normales Fahrzeug zu bleiben, während der vollwertige Aufbau den Pickup vor allem zu einem Reisefahrzeug macht.

Der Serien-Cannon Hi4-T startet unter 150.000 Yuan

Die Basis-Hybridversionen des Cannon Hi4-T kamen bereits im Juni auf den chinesischen Markt. Die gewerbliche Version kostet ab 149.800 Yuan, die allradgetriebene gewerbliche Variante ab 166.800 Yuan, der Personenwagen Cannon Hi4-T wird für 176.800 bis 186.800 Yuan angeboten.

Spannend ist hier weniger der Preis selbst, sondern die von GWM gewählte Richtung. Statt einer weiteren kosmetischen Ausstattungsvariante mit anderen Felgen zeigt das Unternehmen drei ganz konkrete Einsatzszenarien: Ein Fahrzeug, das Fracht und Drohnen transportieren, zu einer mobilen Energiequelle mit mehreren Dutzend Kilowatt werden oder sich in ein kompaktes Zuhause verwandeln kann.

Genau deshalb sind die in Chengdu ausgestellten Cannon Hi4-T-Modelle interessanter als viele gewöhnliche Showcars. Es handelt sich praktisch um Serientechnik, bei der das Hybridsystem nicht nur den Verbrauch senkt, sondern zu einem Teil der Infrastruktur rund um das Fahrzeug wird.

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