Ein Fahrzeug, drei Leben — GAC will sich beim Yue 7 einfach nicht entscheiden

Ein Fahrzeug, drei Leben — GAC will sich beim Yue 7 einfach nicht entscheiden
B. Naumkin / Tarantas.News
Vlad Komarov
Autor: Vlad Komarov

GAC zeigt in Chengdu drei Versionen des neuen Yue 7 — Stadt-SUV, Dachzelt-Camper und Expeditionsfahrzeug — mit 544 PS und 37 werkseitigen Umbaupunkten.

GAC hat auf der Chengdu Motor Show nicht einfach ein Auto vorgestellt, sondern gleich eine ganze Philosophie — und sie Yue 7 genannt. Am Messestand entdeckten Journalisten von „Tarantas News“ gleich drei Varianten desselben fünf Meter langen Hybriden: eine normale Stadtversion, eine Tourenversion mit Dachzelt und ein vollwertiges Expeditionsfahrzeug mit Unterfahrschutz, Geländereifen und einer klaren Ansage: „Ich fahre dorthin, wohin du dich nicht traust.“

Eine Weltpremiere ist der Auftritt in Chengdu nicht — der Yue 7 wurde bereits im Frühjahr auf der Beijing Auto Show gezeigt, und am 7. August präsentierte GAC offiziell das Serienmodell samt Innenraum. Doch erst in Chengdu zeigte der Hersteller zum ersten Mal, was aus demselben Auto in den Händen unterschiedlicher Besitzer werden kann. Die Vorbestellungen in China starten bereits Anfang September.

Drei Yue 7 — vom Büro bis zur Expedition

Chengdu Motor Show 2026 / GAC Yue 7
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GACs Setzen auf Modularität ist auf den ersten Blick erkennbar. Der schwarze Yue 7 kommt fast ohne Gelände-Dekor aus — so sieht ihn der normale Käufer im Alltag. Der orangefarbene bekam ein ausklappbares Dachzelt und ein großes seitliches Vorzelt: ein fertiges Camp auf Rädern. Und der grüne erzählt eine ganz andere Geschichte.

Die ernsthafteste Variante wurde gemeinsam mit dem chinesischen Geländewagen-Tuner Yunliang 4x4 aufgebaut: Frontschutzbügel, große Geländereifen, Zusatzscheinwerfer, Expeditionsplattform, seitliches Frachtmodul und Dachboxen. Und das ist kein zufälliger Umbau eines Drittanbieters — GAC hat den Yue 7 von Werk aus mit 37 Befestigungspunkten für Zusatzausrüstung ausgestattet, inklusive Strom- und Elektroanschlüssen, Verkabelung fürs Dach und Befestigungen im Innenraum.

Mit anderen Worten: GAC hat das Auto von Anfang an für den Umbau konzipiert, statt Besitzer dazu zu zwingen, selbst in die Karosserie zu bohren und Kabel für Licht, Zelte oder Zusatzelektronik zu verlegen. Genau das erklärt die ungewöhnliche Präsentation in Chengdu — drei Autos, drei Lebensentwürfe, ein Fahrzeug.

Fast so groß wie ein Land Cruiser

Mit Zusatzausrüstung wächst der Yue 7 auf 5.045 mm Länge, 2.030 mm Breite und 1.933 mm Höhe bei 2.900 mm Radstand. Der Innenraum bietet fünf Sitzplätze, die genauen Maße variieren je nach Ausstattung leicht.

Einen klassischen Leiterrahmen-Geländewagen sollte man im Yue 7 aber nicht vermuten — die selbsttragende Karosserie besitzt eine eigene Konstruktion mit verstärkten Längsträgern. Die Verwindungssteifigkeit wird mit 38.000 N·m/Grad angegeben: Die Ingenieure wollten das Fahrverhalten eines normalen Crossovers auf Asphalt mit der nötigen Robustheit abseits der Straße verbinden.

Die maximale Bodenfreiheit liegt bei 310 mm, Böschungs- und Rampenwinkel bei rund 30 und 33 Grad (Versionen mit verstellbarem Fahrwerk können noch besser abschneiden), die Wattiefe wird mit 780 mm angegeben. Für ein Modell, das sich als „Familien-Crossover“ verkauft, sind das ziemlich unbescheidene Zahlen.

Drei Sperren und 544 „PS“

Chengdu Motor Show 2026 / GAC Yue 7
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Das Herzstück des Yue 7 ist das Hybridsystem GMC 3.0 Thunder. Der 1,5-Liter-Turbobenziner leistet 125 kW (rund 170 PS) und arbeitet mit dem elektrischen Teil des Allradantriebs zusammen. Zusammen kommt das System auf 400 kW, also 544 PS — für einen Familien-SUV keine bescheidene Zahl.

Beim Antriebsstrang wird es noch interessanter. GAC nennt vordere und hintere mechanische Differenzialsperren plus einen elektronischen zentralen „Energy Lock“ — nach Herstellerzählung also drei Sperren. Das System soll das Fahrzeug selbst dann noch bewegen können, wenn faktisch nur ein einziges Rad Traktion hat, und im Kriechtempo lässt sich das verfügbare Drehmoment auf das Fünffache steigern.

Dazu kommen Luftfederung, adaptive Dämpfer und satte 9+X Fahrmodi für unterschiedliche Untergründe — deutlich mehr als das übliche „Sand, Schnee, Schlamm“-Menü der Stadt-Crossover.

Bis zu 188 km ganz ohne Benzin

Die Batterien gibt es in drei Größen — 28,3, 38,883 und 45,975 kWh —, was elektrische Reichweiten von rund 116, 180 beziehungsweise 188 km ermöglicht; die größte Batterie liefert CATL. Die Gesamtreichweite der reichweitenstärksten Version liegt bei über 1.200 km.

Für einen großen Fünfsitzer-SUV ergibt das durchaus Sinn: In der Stadt lässt sich der Yue 7 wochenlang rein elektrisch fahren, ohne den Verbrenner überhaupt zu wecken, auf der langen Strecke muss man sich um Ladesäulen keine Gedanken machen.

Im Innenraum bleiben echte Knöpfe erhalten

Chengdu Motor Show 2026 / GAC Yue 7
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Die Journalisten von „Tarantas News“ haben den Innenraum des Yue 7 separat fotografiert — und der überrascht nicht weniger als die Außenpräsentation. Hinter dem Lenkrad sitzt ein ungewöhnlicher, mehrteiliger Instrumentenbereich, entlang der Frontpartie verläuft ein 1,1 Meter breites Panorama-Display, der zentrale Bildschirm misst 15,6 Zoll bei 2.5K-Auflösung.

GAC ist dabei aber nicht dem Trend zum reinen Touchscreen-Minimalismus gefolgt. Unter den mittleren Lüftungsdüsen bleibt eine ganze Reihe echter Metalltasten erhalten, in der Mittelkonsole finden sich ein großer Drehregler für die Fahrmodi, zusätzliche Tasten und eine kabellose Ladefläche. Auf Fotos wirkt dieser Innenraum spürbar „mechanischer“ als bei den meisten aktuellen chinesischen Elektroautos — und das wirkt eher wie eine bewusste Entscheidung als wie Sparpolitik.

Für das Infotainment ist ein neuer Qualcomm QCM8838 im 3-nm-Prozess zuständig — der Hersteller gibt mehr als 300K DMIPS und eine NPU-Leistung von 64 TOPS an. Zur Ausstattung gehören außerdem eine Anlage mit 20 Lautsprechern, eine Massagefunktion für die Vordersitze und ein Kühlfach.

Die zweite Sitzreihe lässt sich um 170 mm verschieben, die Lehnen neigen sich bis zu 127 Grad, und nach dem Umklappen der Sitze entsteht eine rund 1,9 Meter lange Liegefläche. Das Dachzelt aus Chengdu ist für die Übernachtung also gar nicht zwingend nötig — ein Schlafplatz existiert auch im Auto selbst.

Die große Frage — der Preis — bleibt vorerst offen

Eine Preisliste gibt es für den Yue 7 noch nicht. Auf der offiziellen Website lassen sich bislang nur unverbindliche Reservierungen sichern: Für 199 Yuan sichert sich ein Käufer ein zukünftiges Vorteilspaket im Wert von bis zu 20.000 Yuan. Das ist weder eine Anzahlung noch der eigentliche Fahrzeugpreis.

Die tatsächlichen Preise sollen mit dem Start der Vorbestellungen im September folgen. Als Hauptkonkurrenten in China gelten der Tank 400 Hi4-T und der Denza B5 — und erst der endgültige Preis wird zeigen, wie stark der Yue 7 in deren Revier vordringen kann.

Für andere Märkte ist das Modell bislang nicht offiziell angekündigt. GAC verfügt jedoch bereits über ein funktionierendes Händlernetz, was einen möglichen Export deutlich einfacher erscheinen lässt als bei vielen anderen neuen chinesischen Marken. Einen künftigen Exportpreis zu schätzen, ist derzeit verfrüht: Der chinesische Preis ist noch nicht veröffentlicht, und 544 PS dürften die Importkalkulation überall besonders empfindlich gegenüber lokalen Abgaben und Zöllen machen.

Der Gesamteindruck aus Chengdu: GAC verkauft nicht einfach nur einen weiteren „kantigen“ Hybriden. Der Yue 7 wurde von Anfang an als Baukasten konzipiert — heute ein komfortabler Familien-SUV, morgen ein Camper mit Dachzelt, und nach dem Einbau der Werksmodule und der Yunliang-Ausrüstung ein vollwertiges Expeditionsfahrzeug. Die 37 werkseitig vorgesehenen Befestigungspunkte wirken dabei nicht weniger wichtig als das 544-PS-Hybridsystem darunter.

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