Der Prototyp hat seine Tarnung fast vollständig abgelegt — und damit wird klar, was Mercedes-AMG plant. Bei neuen Testfahrten wurde die stärkste Version des Elektro-GLA gesichtet, und alles an ihr deutet auf ein echtes Kraftpaket hin. Offizielle Zahlen gibt es noch nicht, weshalb 680 PS und ein Dreimotoren-Layout nicht bestätigt sind. Doch das Szenario wirkt zu logisch, um Zufall zu sein: Genau diesen Antrieb setzt Mercedes-AMG bereits im elektrischen CLA 45 ein.
Beim CLA 45 arbeitet ein Axialflussmotor vorne, zwei weitere hinten. Die Systemleistung erreicht 500 kW, also 680 PS, bei einem Drehmoment von 1.759 Nm. Die Limousine sprintet ohne Rollout-Abzug in 3,0 Sekunden auf Tempo 100. Ob der GLA die komplette Technik erbt, ist offen — sollte es so kommen, dürfte der höhere, schwerere Crossover aber kaum weit zurückliegen. Bislang handelt es sich um eine Prognose auf Basis eines verwandten Modells, nicht um ein fertiges Datenblatt.
Ein eigenes Rätsel ist die Batterie. Die regulären GLA 250+ und GLA 350 4MATIC begnügen sich mit 85 kWh, während der AMG CLA 45 einen größeren 94-kWh-Akku erhielt. Dass der GLA AMG denselben Akku bekommt, liegt nahe, doch Mercedes hat das bislang nicht bestätigt. Der Serien-Elektro-GLA schafft bereits bis zu 657 km nach WLTP, und Schnellladen mit bis zu 320 kW liefert in nur zehn Minuten bis zu 270 km Reichweite nach.
Erlkönig-Fotos zeigen bereits einen Teil der AMG-Unterschiede. Vorne warten ein aggressiverer Stoßfänger und eine eigene Interpretation des neuen beleuchteten Mercedes-Kühlergrills, hinten sind ein Spoiler und die markentypischen Sternrückleuchten zu erkennen. Im Innenraum sind keine Überraschungen zu erwarten: Die Architektur des neuen GLA bleibt erhalten — digitales Kombiinstrument, zentraler Touchscreen, und ein Beifahrerdisplay bleibt optional.
Der reguläre GLA ist unterdessen bereits offiziell vorgestellt. In Deutschland startet die Elektropalette bei 48.599,60 € für den GLA 200 electric, während der aktuelle Top-GLA 350 4MATIC ab 58.107,70 € für 260 kW (354 PS) und einen Sprint auf Tempo 100 in 5,4 Sekunden zu haben ist. Die AMG-Version dürfte deutlich teurer werden, ein Preis wurde aber noch nicht genannt.
Sollte Mercedes tatsächlich die komplette CLA-45-Technik in den GLA übertragen, wäre die Lücke gewaltig: Die Leistung würde sich gegenüber dem heutigen GLA 350 4MATIC nahezu verdoppeln, und die Beschleunigung rückte in die Nähe deutlich teurerer Sportwagen. Bis zur Premiere sind diese Zahlen aber eher als Erwartung denn als fertiges technisches Datenblatt zu verstehen.
Mercedes-Benz feierte auf der Automesse in Chengdu kürzlich die Weltpremiere des langradstandigen GLE L. Der erste große SUV der Marke aus lokaler chinesischer Fertigung erhält einen Radstand von 3.115 mm — 120 mm mehr als beim regulären GLE.