Praxistests von Elektroautos zeigen einen stetigen Anstieg ihrer Reichweite. In den letzten sechs Jahren ist die durchschnittliche Reichweite um rund 200 Kilometer gewachsen, was die Wahrnehmung des elektrischen Transports deutlich verändert.

Der norwegische Automobilclub NAF führt halbjährlich umfangreiche Tests von Elektroautos unter Sommer- und Winterbedingungen durch. Alle Fahrzeuge starten gleichzeitig auf der Strecke, was objektive Vergleiche ermöglicht. Vor fünf oder sechs Jahren lag die durchschnittliche Reichweite kaum über 350 Kilometer; heute erreicht sie laut offiziellen Daten etwa 550 Kilometer. Der Wendepunkt kam 2022, als die meisten neuen Modelle erstmals die 500-km-Marke überschritten.

Die Wintertests 2026 fanden unter extremen Bedingungen bei Temperaturen bis minus 32 Grad Celsius statt. Der Lucid Air erzielte das beste Ergebnis, während der MG4 EV und der Hyundai Ioniq die geringste Abweichung von ihren WLTP-zertifizierten Werten aufwiesen. Von 25 getesteten Modellen bieten 17 mindestens 500 km Reichweite, und acht überschreiten die 600-km-Marke. Zum Vergleich: Vor sechs Jahren existierten nur zwei solcher Autos. NAF-Vertreter betonen, dass das Ziel dieser Tests nicht Rekorde sind, sondern die Bewertung, wie die Praxisreichweite den beworbenen Spezifikationen entspricht.

Dieses Reichweitenwachstum fällt mit Fortschritten in der Schnellladetechnik und einer wachsenden Modellpalette zusammen. Familienwagen und Kombis sind in diesen Tests zunehmend verbreitet, was zeigt, dass Elektroautos über eine Nische hinauswachsen. Obwohl das Tempo der durchschnittlichen Verbesserung nachgelassen hat, bleibt das technologische Potenzial hoch: Einige Modelle nähern sich im CLTC-Zyklus bereits 1.000 Kilometern Reichweite.

Elektroautos entwickeln sich weiter und überwinden schrittweise zentrale Einschränkungen vergangener Jahre. Die Zunahme der Praxisreichweite macht sie vielseitiger und bestätigt, dass der Wandel zu größerer Autonomie eine Angelegenheit der kommenden Jahre ist, nicht der fernen Zukunft.