Im Winter erfordern Elektroautos mit Hinterradantrieb besondere Vorsicht. Die mögliche Instabilität geht oft auf die Rekuperationsbremse zurück – eine Funktion, die in allen Elektrofahrzeugen verbaut ist und beim Loslassen des Gaspedals aktiviert wird.

Bei diesen Fahrzeugen sitzt der einzelne Motor an der Hinterachse. Wird das Gaspedal losgelassen, schaltet sich die Rekuperation ein und bremst das Auto über die Hinterräder. Auf Eis oder festgefahrenem Schnee kann selbst eine moderate Bremskraft die verfügbare Haftung übersteigen und einen Rutscher auslösen. Zwar deaktiviert die Elektronik die Rekuperation schnell, doch der Moment des Traktionsverlusts ist dann bereits eingetreten. Das Stabilitätskontrollsystem muss anschließend mit minimal verbleibender Haftung arbeiten.

Winterstraße
A. Krivonosov

Tests zeigen, dass dieser Effekt bei Modellen mit Standard-Ganzjahresreifen besonders ausgeprägt ist, etwa beim Volvo EX30. Aber auch Fahrzeuge mit Winterreifen wie der Lucid Air Pure sind betroffen. Auf vereisten Oberflächen kann das Heck bereits bei moderatem Tempo und sanften Fahrereingaben ins Rutschen geraten.

Bei Allrad-Elektroautos verteilt sich die Rekuperationsbremsung auf beide Achsen. Das verringert das Risiko eines plötzlichen Traktionsverlusts. Zudem können solche Systeme das Drehmoment umverteilen, um die Fahrbahnstabilität zu verbessern. Für Elektroautos mit Hinterradantrieb bleibt die wirksamste Lösung, die Rekuperation vor der Fahrt auf glatter Fahrbahn abzuschalten oder auf die niedrigste Stufe zu stellen. Genau diese Empfehlung heben die Handbücher von Tesla, Lucid und Volvo hervor – vielen Fahrern ist sie jedoch schlicht nicht bekannt.