Renault startet eine umfassende industrielle Neuausrichtung. Ziel ist es, die Entwicklungskosten für Elektrofahrzeuge um 40 Prozent zu senken und mit dem rasanten Tempo chinesischer Hersteller bei der Markteinführung neuer Modelle Schritt zu halten. Im Zentrum dieser Transformation steht das ACDC-Entwicklungszentrum in Shanghai. Dort setzt der Konzern auf schnelle Designprozesse, minimale Bürokratie und kurze Entscheidungswege. Die Ergebnisse sprechen bereits für sich: Der neue Twingo E-Tech wurde in nur 21 Monaten entwickelt und soll für unter 20.000 Euro auf den Markt kommen.

Ein wesentlicher Baustein dieser Strategie ist die direkte Zusammenarbeit mit chinesischen Technologiepartnern. So liefert Shanghai eDrive den Elektromotor für den Twingo, während lokale Zulieferer Teile der Elektronik und Software optimieren. Dieser Wandel ist für Frankreich schmerzhaft – etwa weil das Werk in Cléon die Motorenfertigung verliert, um die Preise wettbewerbsfähig zu halten. Renault ist jedoch überzeugt, dass dieser Ansatz unerlässlich ist, um ein erschwingliches europäisches Elektroauto zu produzieren.

Parallel wird die Lieferkette umgestellt: Zunächst 64, später über 120 Komponenten sollen zu chinesischen Kostenstrukturen wechseln. Bereits jetzt stammen 46 Prozent der Produktionskosten des Twingo von chinesischen Zulieferern. Eine weitere Kostensenkung bringt der Wechsel von teuren NMC- zu LFP-Batterien mit sich. Diese werden in Europa gefertigt und reduzieren die Kosten pro Kilowattstunde.

Über das Joint Venture Horse mit Geely spart Renault bei Hybrid- und Verbrennermodellen weitere 400 Euro, indem Entwicklungsressourcen gebündelt und Rohstoffe zu chinesischen Preisen beschafft werden.

Im Kern überholt die französische Marke ihr Industriemodell: Das Design bleibt in Europa, doch Geschwindigkeit und Kosteneffizienz werden von chinesischen Methoden getrieben. Der Erfolg des Twingo wird zeigen, ob Renault im Zeitalter erschwinglicher Elektroautos wettbewerbsfähig bleiben kann.