Der neue EQS präsentiert sich mit einer komplett neuen 800-Volt-Elektroarchitektur, einer DC-Schnellladeleistung von bis zu 350 kW und dem neuen Betriebssystem MB.OS. Zudem führt er als erstes Serienfahrzeug des deutschen Herstellers ein Steer-by-Wire-System ein. In Deutschland ist das Modell ab einem Preis von 94.403 Euro bestellbar.

Mercedes-Benz EQS
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Mercedes zufolge wurden mehr als ein Viertel der Komponenten für dieses Update neu entwickelt, überarbeitet oder gezielt verbessert. Damit geht die Überarbeitung weit über eine typische Modellpflege hinaus – im Grunde handelt es sich um ein neues Auto in altem Gewand.

Die WLTP-Reichweite des EQS 450+ liegt nun bei 926 km, was etwa 575 Meilen entspricht. Dieser Fortschritt resultiert aus der Umstellung auf 800-Volt-Technologie. Die neue Architektur ermöglicht Batterieladungen mit bis zu 350 kW. Mercedes zufolge kann so in nur zehn Minuten eine WLTP-Reichweite von bis zu 320 km (199 Meilen) hinzugewonnen werden.

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An 400-Volt-Ladestationen teilt sich die Batterie intelligent in zwei virtuelle Hälften, die jeweils mit bis zu 175 kW laden. Dies ist eine clevere Lösung, die auch auf älterer Infrastruktur hohe Ladegeschwindigkeiten ermöglicht.

Die nutzbare Batteriekapazität stieg von 118 auf 122 kWh, während die physischen Abmessungen gleich blieben. Mercedes erreichte dies durch den Wechsel zu Verbundanoden aus Siliziumoxid und Graphit, die sowohl die gravimetrische als auch die volumetrische Energiedichte erhöhen. Der Kobaltanteil wurde ebenfalls reduziert.

Die Rekuperationsleistung beträgt nun bis zu 385 kW – eine Steigerung um 33 Prozent. Mercedes behauptet, dass dies für fast alle alltäglichen Bremsvorgänge ausreicht, ohne die Reibungsbremsen zu nutzen.

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Mercedes hat zudem ein neues Einstiegsmodell EQS 400 mit 270 kW Leistung und einer 112-kWh-Batterie eingeführt, das in Deutschland ab 79.330 Euro netto (ca. 94.403 Euro inklusive Mehrwertsteuer) erhältlich ist. Damit wird es wettbewerbsfähiger gegenüber dem BMW i7, der in den USA bei 107.250 Dollar startet und eine deutlich geringere EPA-Reichweite von 311 Meilen aufweist.

Das Unternehmen bestätigt, dass der neue EQS ein Steer-by-Wire-System nutzen wird. Diese Technologie ersetzt die mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Vorderrädern durch elektronische Signale. Mercedes erklärt, dass das System ein flacheres Lenkrad ermöglicht, was mehr Platz im Innenraum schafft, die Sicht auf die Fahreranzeige verbessert und das Ein- und Aussteigen erleichtert.

Das Steer-by-Wire-System wird nicht sofort verfügbar sein – Mercedes gibt an, dass es einige Monate nach Markteinführung folgen wird. Es arbeitet in Verbindung mit der 10-Grad-Hinterachslenkung des EQS und verfügt über redundante Signalwege für die Sicherheit. Selbst im äußerst unwahrscheinlichen Fall eines vollständigen Systemausfalls sorgen die Hinterachslenkung und individuelle Radbremsung über das Stabilitätskontrollsystem für die Lenkbarkeit.

Der neue EQS läuft auf dem Mercedes-Benz Betriebssystem (MB.OS) – derselben Plattform, die im CLA debütierte. MB.OS integriert und steuert alle Fahrzeugfunktionen und verbindet sich mit der Mercedes-Benz Intelligent Cloud für Over-the-Air-Updates.

Der MBUX-Virtual Assistant nutzt nun KI von Microsoft und kann komplexe, mehrstufige Dialoge verarbeiten. Der 141 cm breite MBUX Hyperscreen bleibt serienmäßig, und die aktualisierte MBUX Zero Layer-Oberfläche ermöglicht die Anpassung des Hauptbildschirms mit App-Ordnern, ähnlich wie bei einem Smartphone.

Eine neue MBUX Surround Navigation-Funktion nutzt die Kameras und Sensoren des Autos, um eine Echtzeit-3D-Karte der Umgebung auf dem Fahrerdisplay anzuzeigen. Sie zeigt andere Fahrzeuge, Radfahrer und Fußgänger – im Wesentlichen lässt sie sehen, was die Sensoren des Autos erfassen.

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Mercedes bestätigt, dass der neue EQS bidirektionales Laden ermöglichen wird – sowohl Vehicle-to-Grid (V2G) als auch Vehicle-to-Home (V2H). Diese Funktion wird jedoch erst durch ein späteres Over-the-Air-Update verfügbar sein, nicht bei Auslieferung.

Das serienmäßige DIGITAL LIGHT-System wechselt zur Mikro-LED-Technologie und bietet ein hochauflösendes Lichtfeld, das 40 Prozent größer ist und 50 Prozent weniger Energie verbraucht als das Vorgängersystem. Der ULTRA RANGE-Fernlichtstrahl reicht bis zu 600 Meter.

Das cloudbasierte AIRMATIC-Fahrwerksdämpfungssystem nutzt Car-to-X-Daten, die von anderen Mercedes-Fahrzeugen geteilt werden, um die Dämpfung vor Geschwindigkeitshüpfern vorab anzupassen. Dies ist besonders in Südeuropa und den USA nützlich, wo solche Hindernisse häufig vorkommen.

Weitere bemerkenswerte Updates umfassen einen beheizten Sicherheitsgurt (der sich auf 44°C erwärmt, um an kalten Tagen schnelle Kabinenwärme zu bieten), einen HEPA-Filter, der 99,65 Prozent der Partikel einfängt, eine verdoppelte Anhängelast von 1.600 kg für Hinterradantriebsmodelle und eine neue lederfreie Innenausstattungsoption.

Das MANUFAKTUR Made to Measure-Programm bietet nun etwa 125 Lackoptionen, und das Parkassistenzsystem ist dank einer neuen Schrägparkfunktion 60 Prozent schneller.