Mit der zunehmenden Verbreitung von Elektroautos stellt sich eine neue Herausforderung: die sichere Inspektion von Traktionsbatterien nach einem Unfall. Der TÜV-Verband hat dazu einen Leitfaden für Sachverständige und Gutachter veröffentlicht. Denn eine äußerlich unauffällige Batterie bedeutet nicht, dass das Fahrzeug tatsächlich sicher ist.

Robin Zalwert, beim TÜV für nachhaltige Mobilität zuständig, warnt eindringlich: Eine beschädigte Traktionsbatterie könne nach einem Unfall Brände, Stromschläge oder das Austreten giftiger Chemikalien verursachen. Daher müsse die Batterie systematisch inspiziert werden, um auch verdeckte innere Schäden zu erkennen.

Die eigentliche Tücke liegt in inneren Defekten. Nach einem Aufprall kann es in der Batterie zu Kurzschlüssen, Zellschäden oder thermischer Instabilität kommen. Das Problem: Solche Fehler zeigen sich nicht immer sofort. Ein Fahrzeug mag nach einem Unfall zunächst ruhig dastehen, doch die Gefahr einer späteren Überhitzung oder eines Brandes bleibt latent. Deshalb setzt der TÜV bei Inspektionen nicht auf eine einfache Sichtprüfung, sondern auf spezielle Verfahren wie Isolationswiderstandsmessung, Thermografie und eine Analyse der Fahrzeugdaten.

Diese Diagnosemethoden decken innere Überhitzungen, elektrische Fehler oder mechanische Schäden im Batteriepack auf. Der TÜV weist zudem auf die Lagerungs- und Transportvorschriften für beschädigte Elektrofahrzeuge hin – die Risiken betreffen nämlich nicht nur die Halter, sondern ebenso Rettungskräfte, Abschlepppersonal und Werkstattmitarbeiter. Eine beschädigte Batterie erfordert jedoch nicht automatisch den Austausch des gesamten Packs. Oft ist die Reparatur einzelner Module deutlich preiswerter, wie der Verband betont.

Welcher Ansatz der richtige ist, hängt von der Schadensart, dem Batteriezustand (State of Health, SoH) und dem aktuellen Marktwert des Fahrzeugs ab. Zalwert ergänzt, dass eine Reparatur in vielen Fällen finanziell günstiger und zudem umweltfreundlicher sei als ein Komplettaustausch.

Die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien ist ressourcenintensiv und verursacht erhebliche CO2-Emissionen. Die Lebensdauer einer Batterie zu verlängern oder sie einer Zweitverwertung zuzuführen, schont Rohstoffe und reduziert Abfall. Ein Unfall-Elektroauto lässt sich nicht allein nach dem Karosseriezustand beurteilen: Das wertvollste und gefährlichste Bauteil kann äußerlich unversehrt wirken, bis eine fachmännische Prüfung Klarheit schafft.