CATL und Togg entwickeln gemeinsam günstige Elektroautos
CATL liefert komplette Fahrzeugplattformen für E-Autos. Chinesische Technik revolutioniert den europäischen Markt für günstige Elektroautos. Ab 2027.
CATL setzt zu einem Schritt an, der den Markt für Elektroautos grundlegend umkrempeln könnte. Der chinesische Konzern, bislang vor allem als weltgrößter Batteriehersteller bekannt, expandiert jetzt über sein Kerngeschäft hinaus und exportiert komplette Fahrzeugplattformen aus China. Am 29. April haben CATL und der türkische Autobauer Togg in Ningde einen Vertrag unterzeichnet, um gemeinsam drei Elektroautos der B-Klasse zu entwickeln.
Auf CATL-Seite führt die Tochtergesellschaft CAIT das Projekt, die sich auf die Chassisentwicklung spezialisiert hat. Das erste Fahrzeug soll 2027 in Serie gehen – geplant sind Verkäufe in der Türkei, Europa und weiteren Märkten. Herzstück der Vereinbarung ist die Plattform Bedrock Chassis, auch CIIC genannt. Und das ist weit mehr als nur ein Skateboard mit eingebauter Batterie.
CATL verbaut die Batterie direkt in die tragende Struktur des Fahrzeugs – ein sogenanntes Cell-to-Chassis-Konzept. Die gesamte Einheit umfasst Batterie, E-Motor, Wärmemanagement sowie die Chassis-Steuerelektronik. Für Togg bedeutet das enorme Einsparungen bei Zeit und Kosten. Die türkische Marke kann Karosserie, Innenraum, digitale Architektur, Benutzeroberfläche und Markenidentität selbst entwickeln, ohne sich um das teuerste Element eines E-Autos kümmern zu müssen.
Kurz gesagt: CATL liefert eine fertige Basis, auf der sich ein Auto deutlich schneller entwickeln lässt. Das verändert das grundlegende Verständnis davon, was ein Automobilhersteller überhaupt ist. Bislang musste eine Marke Plattform, Motor, Batterie und Fahrwerk selbst beherrschen. Heute kann ein junges Unternehmen eine fast komplette technische Grundlage zukaufen und sich ganz auf Design, Software und das Kundenerlebnis konzentrieren.
Togg ist der ideale Partner dafür. Das 2018 gegründete Unternehmen baut bereits den elektrischen SUV T10X in seinem Werk in Gemlik. Das Modell avancierte zum meistverkauften E-Auto der Türkei, und seit Ende 2024 liefert Togg auch nach Deutschland aus. Jetzt will Togg in Europas heißesten Markt einsteigen: günstige kompakte Elektroautos.
Der Wettbewerb wird erbittert. Toggs neue Modelle müssen sich gegen den Renault 5, Volkswagen ID. Polo, Cupra Raval, Hyundai Inster, BYD Dolphin Surf und die kommenden Kompakten von Leapmotor behaupten. Doch die türkische Marke hat einen starken Trumpf im Ärmel: CATLs chinesische Technologiebasis und die Möglichkeit, die Entwicklung zu beschleunigen. Auch für Europa hat dieser Deal eine große Bedeutung.
Stellantis rüstet sich bereits, Leapmotor in den eigenen Werken zu produzieren. Renault hat den neuen Twingo mit Unterstützung chinesischer Entwicklungsabteilungen entwickelt, und Volkswagen sucht ebenfalls nach Kooperationsmöglichkeiten mit chinesischen Partnern. Jetzt mischt Togg mit – als türkische Marke mit einem chinesischen Chassis.
CATL ist längst nicht mehr nur ein reiner Batterielieferant. Das Unternehmen entwickelt sich zum Zulieferer fast fertiger Fahrzeuge – nur ohne Karosserie und Logo. Und sollte sich dieses Modell durchsetzen, werden wir in den kommenden Jahren immer mehr Marken sehen, die sich zwar in Design und Software unterscheiden, aber auf der gleichen chinesischen Technik basieren.