Niemand hat damit gerechnet, dass ausgerechnet Elektroautos den europäischen Gebrauchtwagenmarkt vor dem Absturz retten. Doch die Zahlen sprechen für sich: Im zweiten Quartal 2026 blieb der Gebrauchtmarkt von einem starken Einbruch verschont — und Batteriefahrzeuge drehten sogar gegen den allgemeinen Trend. Ihre Preisindizes stiegen in den meisten untersuchten Ländern und liegen deutlich über dem Niveau von Januar 2025. Den absoluten Rekord hält Frankreich mit 107,6 Punkten — das beste Ergebnis aller Antriebsarten.
BCA erklärt die Wende ganz nüchtern: Die Nachfrage nach E-Autos wächst, während der Zugang zu fossilen Kraftstoffen zunehmend schwieriger wird. Auch Hybride legten in mehreren Märkten zu. Benziner und Diesel dagegen traten meist auf der Stelle oder wurden etwas günstiger. Das heißt nicht, dass jedes Batteriemodell pauschal teurer wird — der Index vergleicht reale Auktionsgeschäfte, keine abstrakten Preislisten.
Der Gesamtmarkt bewegt sich seit Anfang 2025 kontinuierlich nach unten — aber ohne Anzeichen eines Kollapses. Frankreich, Portugal, Dänemark und Schweden verloren am wenigsten: 1 bis 4,3 Punkte. Deutschland, Spanien, Italien und die Niederlande traf es härter, mit einem Minus von 5,3 bis 9,1 Punkten. Im zweiten Quartal erfasste der Rückgang die meisten Länder und folgte weitgehend der üblichen Saisonalität. Der Kilometerstand spielt unterdessen eine immer größere Rolle.
Die Regel ist einfach: Fahrzeuge mit bis zu 50.000 km halten ihren Wert stabil. Ab 100.000–150.000 km setzt spürbarer Druck ein. Käufer zahlen nicht nur für das Alter, sondern auch für die Absicherung gegen baldige Werkstattkosten. In Deutschland bewegten sich die Preise der Mercedes-Benz A-, C- und E-Klasse in einem halben Jahr kaum. Der Ford Focus gab gegenüber dem ersten Quartal nach, liegt aber weiterhin über dem Stand von Januar 2025. Der Mercedes GLC verlor stärker, doch bis Juni zeigten sich erste Anzeichen einer Stabilisierung.
Eine eigene Geschichte schreiben Rückläufer aus dem Leasing — ein für Händler enorm wichtiges Segment. Nach dem Rückgang Ende 2025 blieben ihre Indizes in beiden Quartalen 2026 fast unverändert. Der eigentliche Befund des Berichts ist also kein einheitlicher Absturz des europäischen Gebrauchtmarkts, sondern eine Verschiebung der Nachfrage zwischen Antriebsarten und Fahrzeugzustand.