Fünfzigtausend NVIDIA-Blackwell-GPUs. Ein Werk, das bis zu 30.000 Roboter pro Jahr bauen kann. Und ein Humanoider namens Atlas, der 2028 gemeinsam mit Menschen ans Band tritt. Hyundai Motor Group will kein reiner Autobauer mehr sein — und hat am 24. Juli auf einem KI-Gipfel in San Francisco erklärt, was der Konzern stattdessen werden will.
Die Formulierung von Konzernchef Euisun Chung klingt fast wie ein Abschied aus der Branche: „Hyundai Motor Group entwickelt sich über die traditionellen Grenzen der Automobilproduktion hinaus, indem der Konzern in autonomes Fahren, Robotik und KI-gesteuerte Fabriken expandiert und die Wandlung zu einem Anbieter von Physical-AI-Lösungen beschleunigt.“
Das Schlüsselwort heißt Daten. Fahrzeuge, Werke, Logistik, Roboter — all das betrachtet der Konzern als ein einziges System zur Datensammlung, an dem KI-Modelle rund um die Uhr weiterlernen. Verbesserte Algorithmen fließen zurück in den realen Betrieb, und der Kreislauf beginnt von vorn. Ein Teufelskreis, nur arbeitet dieser für den Hersteller.
Die erste Bewährungsprobe sind die Fabriken. Atlas übernimmt zunächst das Vorbereiten und sequenzielle Zuführen von Bauteilen — Aufgaben, bei denen sich Sicherheit und Stabilität vorab prüfen lassen. Die Komponentenmontage folgt bis 2030. Vor Kurzem drehte dieser Roboter noch Saltos in Werbevideos. Jetzt wird er in die Schicht geschickt.
Das amerikanische Robotikwerk soll bis 2028 eine Kapazität von bis zu 30.000 Einheiten pro Jahr erreichen. Wie viele davon Humanoide sein werden, lässt der Konzern offen — und das ist wohl das lauteste Schweigen der ganzen Präsentation.
Die automobile Hälfte der Strategie ruht auf zwei Namen: NVIDIA und Waymo. Hyundai und Kia bauen auf der Plattform NVIDIA DRIVE Hyperion eine einheitliche Architektur für autonomes Fahren, skalierbar von Level 2 bis Level 4. Im Werk HMGMA in Georgia laufen zudem speziell vorbereitete IONIQ 5 für den fahrerlosen Dienst von Waymo vom Band. Solche Fahrzeuge brauchen redundante Lenkung, Bremsen, Stromversorgung und Kommunikation, elektrisch betätigte Türen und verschärfte Cybersicherheit — es geht also nicht um ein Serien-Elektroauto mit einem Update über die Luft.
Eine eigene Geschichte ist Boston Dynamics: Für das „Gehirn“ von Atlas ging das Unternehmen eine strategische Partnerschaft mit Google DeepMind ein. Die Hardware haben die Koreaner längst. Jetzt stellen sie die Mannschaft für die Software zusammen.
Ein weiteres Element ist die Robot Reference Platform, die Hyundai gemeinsam mit NVIDIA entwickelt. Universitäten, Forschungszentren und Start-ups werden eine standardisierte Hard- und Softwareumgebung sowie Forschungsmodelle von Robotern versprochen. Starttermine und die Liste der verfügbaren Maschinen sind bislang nicht genannt. Genau diese Details zeigen, ob daraus ein offenes Branchensystem wird oder ein geschlossenes Programm einiger Partner bleibt.
Und das Endziel, das Chung in San Francisco formulierte, reicht weit über die Werkshalle hinaus: von intelligenten Geräten zu intelligenten Räumen und weiter zu einer Intelligenz auf Ebene einer ganzen Stadt, in der Energie, Verkehr und Roboter zu einem einzigen steuerbaren Organismus verbunden sind. Bislang klingt das nach Präsentation. Geprüft wird sie 2028, am Band in Georgia.