Rivian weitet seine Autonomie-Pläne aus, zieht dabei aber eine klare Grenze: Die wertvollsten Entwicklungen bleiben im eigenen Haus. Nach dem Technologieabkommen über 5,8 Milliarden US-Dollar mit dem Volkswagen-Konzern wurde deutlich, dass die auf R2-Prototypen gezeigten fahrerlosen Funktionen nicht Teil der Kooperation sind. Das Paket umfasst eine zonale Steuerarchitektur, ein Echtzeit-Betriebssystem und Infotainment – ausgenommen sind jedoch Bedienlösungen und die KI, die sie antreibt. Das wirkt wie eine bewusst gezogene Schutzlinie um die eigentlichen Unterscheidungsmerkmale.

Für Spannung sorgt vor allem der parallele Vorstoß beim Large Driving Model (LDM) – im Kern ein großes End-to-End-Modell für die Fahrzeugführung, gedanklich verwandt mit großen Sprachmodellen. Rivian beschreibt es als System, das mit der Zeit lernt und die autonome Leistungsfähigkeit gezielt in Rivian-Fahrzeugen ausbaut. Statt Robotaxis nachzueifern, skizziert das Unternehmen Autonomie im persönlichen Alltag: etwa wenn Pick-up oder SUV am Flughafen vorfahren und einen nach Hause bringen. Diese Ausrichtung wirkt wie eine bodenständige Wette auf Funktionen, die Besitzer tatsächlich täglich nutzen können.

Auch die Hardware-Basis rückt in den Fokus. Neben dem R2-Prototyp zeigte Rivian eine neue LiDAR-Generation und kündigte an, sie bis Ende 2026 als Next-Gen-Serienausstattung im R2 einzuführen – ohne Nachrüstoption für bestehende Fahrzeuge. Parallel dazu soll das bestehende Hands-off-System auf 3,5 Millionen Meilen Straße in den USA und Kanada wachsen und damit weit über große Highways hinaus einen breiten Abschnitt gewöhnlichen Asphalts abdecken. Gelingt dieses Vorhaben, würde sich der Bereich, in dem freihändiges Fahren wirklich praktikabel ist, spürbar erweitern.