Rolls-Royce Motor Cars hat seine langfristigen Pläne überraschend geändert: Der legendäre V12-Motor wird nicht wie ursprünglich angekündigt nach 2030 ausgemustert. Diese Kehrtwende erfolgt als Reaktion auf die abgeschwächten Euro-7-Normen und die Überprüfung des Verbrenner-Verbots nach 2035 durch die Europäische Union.

Ursprünglich plante die Marke aus Goodwood einen vollständigen Umstieg auf Elektrofahrzeuge, wobei Hybridtechnologie als Kompromiss galt, der dem ultraluxuriösen Segment nicht angemessen schien. Doch die Strategie wurde überdacht, angesichts des Erfolgs von Bentley mit seinen Hybridmodellen und Veränderungen in der regulatorischen Landschaft.

BMW-Technikvorstand Joachim Post bestätigte, dass der Konzern Sechs-, Acht- und Zwölfzylindermotoren weiter produzieren wird – was bedeutet, dass der V12 für Rolls-Royce erhalten bleibt. Dabei handelt es sich um den ikonischen 6,75-Liter-Biturbomotor aus der N74-Familie, der alle aktuellen Modelle vom Ghost Series II bis zum Phantom und Cullinan antreibt. Je nach Version leistet der Motor zwischen 563 und 593 PS sowie bis zu 900 Nm Drehmoment und sorgt so für die charakteristische „samtweiche“ Dynamik von Rolls-Royce.

Die neuen Euro-7-Normen konzentrieren sich nicht nur auf Abgasemissionen, sondern auch auf Bremsen- und Reifenverschleiß sowie die kontinuierliche Onboard-Überwachung von Schadstoffen. Entscheidend ist, dass sich diese Vorschriften als deutlich weniger streng erwiesen haben als erwartet, was Herstellern eine Chance bietet, Verbrennungsmotoren beizubehalten – insbesondere in Nischensegmenten mit geringen Produktionszahlen.

Folglich entwickelt Rolls-Royce zwar weiter seine Elektroflotte, ist aber nicht in Eile, sich von einem Motor zu trennen, der seit fast 90 Jahren zur Marken-DNA gehört. Die Entscheidung, den V12 zu behalten, ist sinnvoll: Für Rolls-Royce-Kunden ist der Motor nicht nur ein Antriebsaggregat, sondern ein zentraler Teil der Markenphilosophie, den man nicht einfach aufgeben kann, um willkürliche Fristen einzuhalten.