Die Maserati-Brüder würden sich im Grab umdrehen — Osca ist zurück, und chinesisch

Die Maserati-Brüder würden sich im Grab umdrehen — Osca ist zurück, und chinesisch
DR Automobiles
Dmitry Yakin
Autor: Dmitry Yakin

DR Automobiles erweckt die Marke der Maserati-Brüder wieder zum Leben. Das erste Auto ist ein Changan UNI-T mit neuem Logo. Der 200.000-Euro-Sportwagen auf Lotus-Basis folgt.

Die Maserati-Brüder würden sich im Grab umdrehen. DR Automobiles — das Unternehmen, das zweimal dabei erwischt wurde, chinesische Autos als italienische zu verkaufen — haucht Osca neues Leben ein. Genau jener Marke, die die Maserati-Brüder 1947 gründeten, nachdem sie ihre eigene Firma verlassen hatten. Und wissen Sie, womit die Wiederauferstehung der Legende beginnt? Mit einem umetikettierten China-Crossover.

Die erste Osca der neuen Ära heißt MT6. Der Name ist kein Zufall: 1948 holte ausgerechnet die MT4 — Maserati Tipo 4 cilindri — die ersten Siege für die junge Marke. Ein halbes Jahrhundert später landet das Kürzel MT6 auf… einem Changan UNI-T mit neu gezeichneter Schürze, anderem Kühlergrill und veränderten Scheinwerfern. DR Automobiles verspricht eine eigene Abstimmung für den 1,5-Liter-Turbo, Leder mit Alcantara im Innenraum und Recaro-Schalen. Preis: 49.000 Euro, Verkaufsstart in Italien im September 2026. Für das Emblem zahlt man wie immer extra.

Osca schloss 1967 ihre Tore, und die Rückkehr nach fast 60 Jahren Stille hätte eine schöne Geschichte werden können. Aber nicht in diesen Händen. Vor zwei Jahren brummte die italienische Wettbewerbsbehörde DR Automobiles eine Strafe von 6 Millionen Euro auf — etwa 6,8 Millionen Dollar — und zwar genau dafür, dass Kunden eine italienische Herkunft suggeriert wurde, während die Autos in Wirklichkeit aus China kamen und vor dem Verkauf nur leicht angepasst wurden. Die Rechte am Namen Osca kaufte DR-Chef Massimo Di Risio 2022 von den Erben der Maserati-Brüder. Was danach passiert, ist eine Geschichte, die sich wiederholt.

Osca MT6
DR Automobiles

Das zweite Projekt allerdings macht hellhörig. Im Gespräch mit Askanews erklärte Di Risio: Der Prototyp eines mittelmotorigen Osca-Sportwagens soll bis Jahresende fertig sein, die Auslieferungen starten 2027. Basis: das Aluminium-Chassis des Lotus Emira. Motor: der 3,5-Liter-V6 mit Kompressor von Toyota. Karosserie: entwickelt mit Italdesign. Auf dem Papier liest sich das wie ein fast perfektes Rezept für einen echten italienischen Sportwagen.

Und nun zum Preis. Osca will mindestens 200.000 Euro für diesen Sportwagen — etwa 227.400 Dollar zum aktuellen Kurs. Zum Vergleich: Ein gut ausgestatteter Lotus Emira mit demselben V6 kostet in Europa rund 110.000 Euro. Der Käufer soll also fast den Gegenwert eines zweiten Sportwagens drauflegen — für Exklusivität, für eine von Italdesign gezeichnete Karosserie und für ein wiederbelebtes Emblem mit Geschichte.

Das Segment ist eng. Links der Alpine A110 für alle, die Leichtigkeit schätzen. Rechts der Porsche 911 als universeller Maßstab. Geradeaus — ebenjener Emira, der Osca seine Technik leiht. Damit das neue Auto nicht wie ein teurer italienischer Anzug auf britischem Körper wirkt, braucht es mehr als schönes Blech: einen eigenen Sound, eine eigene Abstimmung, ein eigenes Fahrgefühl. Andernfalls ist es nur ein Lotus — nur teurer.

Die Wiederbelebung einer Legende beginnt mit einem China-SUV, und rechtfertigen muss sie ein Sportwagen auf fremder Plattform. Eine Frage hängt über allem: Wie viel ist ein schöner Name heute wirklich wert?

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