China parkt ein elektrisches Raumschiff mitten im Lexus-Revier

China parkt ein elektrisches Raumschiff mitten im Lexus-Revier
B. Naumkin
Dmitry Yakin
Autor: Dmitry Yakin

Drei Versionen, 800-Volt-Technik und ein Ladehub von 10 auf 80 % in nur 12 Minuten. Der siebensitzige X9 unterbietet den Lexus LM um fast 25.000 Pfund — und Chinas Marken spielen die Billig-Karte nicht mehr.

Chinas Marken haben genug davon, die „billige Tesla-Alternative“ zu sein — jetzt zielen sie direkt auf Lexus und BMW. XPeng bringt seinen großen elektrischen Van X9 nach Großbritannien und stellt ihn ohne Umschweife in die Premiumzone. Der Einstiegspreis liegt bei 74.990 Pfund, also rund 102.000 Dollar. Und hier kommt das entscheidende Argument: laut Auto Express kostet der Hybrid-Lexus-LM, der Hauptmaßstab des Modells, fast 25.000 Pfund mehr.

Die Palette umfasst drei Versionen — Standard Range, Long Range und den Allradler AWD. Alle stehen auf einer 800-Volt-Architektur, und hier lohnt sich ein kurzer Halt bei einer Zahl: Das Laden von 10 auf 80 % dauert nur 12 Minuten. Für ein Familienauto von fast 5,3 Metern Länge ist das keine Kleinigkeit. In einem Premium-MPV zählt nicht nur der Luxus der zweiten Reihe — es zählt auch, schnell wieder auf die lange Strecke zu kommen, statt den Stopp in eine halbe Stunde Pause zu verwandeln.

Die Basisversion bekommt einen einzelnen Frontmotor mit 316 PS und 450 Nm. Für die Standard Range ist ein LFP-Akku mit 84,5 kWh vorgesehen, für die Long Range ein NMC-Paket mit 101,5 kWh. Die Reichweite liegt bei 332 und 382 Meilen — also rund 534 und 615 km. Der Allrad-X9 geht aufs Ganze: 496 PS und 0 auf 100 km/h in 5,9 Sekunden. Der Preis für diesen Charakter ist Reichweite, die auf 360 Meilen sinkt, etwa 579 km. Tempo wird immer in Kilometern bezahlt.

Xpeng X9
B. Naumkin

XPeng nennt den X9 ein „Raumschiff von morgen“ — und ja, eine Portion Marketing steckt darin. Doch die Optionsliste liegt tatsächlich näher an der Oberklasse als an einem Familienvan. In China gibt es für das Modell eine Hinterachslenkung mit 10,8 Metern Wendekreis — so wendig wie ein winziger MINI Cooper —, dazu Luftfederung, Zero-Gravity-Sitze, eine Audioanlage mit 23 Lautsprechern und einen 21,4-Zoll-Bildschirm für die Fondpassagiere, der sich im Stil des BMW i7 aus dem Dachhimmel herausklappt. Dieser Van hat nicht vor, bescheiden zu wirken.

Auch die Praxistauglichkeit wurde nicht vergessen. Die dritte Reihe klappt elektrisch, und das Kofferraumvolumen wächst auf 2554 Liter — genug, wie XPeng versichert, für 29 Handgepäckkoffer. Für Europa wirkt das Format ungewohnt: Der Markt ist längst zu SUVs abgewandert. Doch ein großer Van auf Elektroplattform könnte praktischer sein als ein Crossover — für die Familie, den Transfer oder den Firmenfuhrpark.

Der X9 wird nach dem Crossover G6 das zweite XPeng-Modell in Großbritannien. Danach folgt der günstigere L03, dahinter die Limousine P7+, der ein Duell mit Tesla Model 3, BYD Seal und Volkswagen ID.7 bevorsteht. Das ist längst kein einzelner Experimentierstart mehr — es ist eine komplette Baureihe. Die Chinesen sind für die lange Distanz gekommen.

Über das Datenblatt hinaus taugt der X9 als Indikator. Chinas Marken verstecken sich nicht mehr hinter der Formel „billiger als Tesla“. Sie rücken auf das Terrain von Lexus, BMW und Mercedes vor, wo Komfort, Ladetempo, Reichweite und Vertrauen in den Service entscheiden. Und sie wirken dort zunehmend zu Hause.

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