Bentley nahm einen Schlagzeuger gegen einen V8 auf, um dem Elektro-SUV eine Seele zu geben

Bentley nahm einen Schlagzeuger gegen einen V8 auf, um dem Elektro-SUV eine Seele zu geben
Скриншот Youtube
Dmitry Yakin
Autor: Dmitry Yakin

Bentley hat den Sound seines ersten E-Autos aus Studiosessions gewonnen, in denen ein klassischer V8 gegen einen echten Schlagzeuger antrat.

Niemand hat erwartet, dass sich Bentley damit beschäftigt, bevor überhaupt das erste elektrische SUV der Marke verkauft wird. Der Torcal hatte noch nicht einmal seine offizielle Premiere, da hat Bentley schon ein Problem gelöst, um das sich Massenhersteller meist zuletzt kümmern: Wie soll ein luxuriöses Elektroauto eigentlich klingen? In Crewe will man nicht, dass ein derart teures Auto nur zu einem gleichförmigen Elektromotoren-Summen rollt — deshalb hat man das System Bentley Dynamic Symphony entwickelt.

Offiziell handelt es sich um eine „handgefertigte“ Klangkomposition für den elektrischen Antrieb, verbunden mit dem Erbe der Marke. Einfacher gesagt: Bentley versucht, die verlorene Mechanik — von alten Kompressormotoren bis zu V8 und W12 — durch einen künstlichen, aber nicht ganz willkürlichen Soundtrack zu ersetzen.

Die Ingenieure haben nicht einfach ein künstliches Motorbrüllen aufgesetzt. Es ist interessanter als das. Laut Unternehmensangaben analysierten sie Aufnahmen klassischer Bentley-V8-Motoren und verglichen sie mit dem lebendigen Rhythmus von Schlagzeug. In einem Raum standen zwei Parabolic-Lautsprecher: Aus dem einen kam der Motorsound, aus dem anderen der Part eines professionellen Schlagzeugers. Gesucht wurde nicht die wörtliche Ähnlichkeit, sondern der gemeinsame Puls — die Unregelmäßigkeit, das Tempo, die Energie und genau jene kleinen Unvollkommenheiten, wegen derer ein Verbrennungsmotor „lebendig“ wirkt.

Bentley Torcal
Screenshot: YouTube

Darauf wurden weitere Instrumente geschichtet. Tieffrequente Perkussion imitiert das Gefühl des Zugs von unten, die Bratsche übernimmt die warme Mitte, der Bass die resonante Basis, die sich je nach Pedalstellung verändert. Beim Beschleunigen wird der Klang lauter, höher und intensiver, bei Reisegeschwindigkeit sinkt er zu einem ruhigen Hintergrund ab.

Und darum geht es eigentlich. Ein Elektroauto kann schneller sein als ein Benziner, doch im Ultraluxussegment ist Geschwindigkeit schon lange nicht mehr das einzige Verkaufsargument. Der Kunde kauft nicht nur Beschleunigung, sondern ein Zeremoniell: die schwere Tür, den weichen Sitz, den Klang, die Reaktion auf das Pedal, das Gefühl einer eigenen Welt um sich herum. Wird all das zu steril, verliert die Marke einen Teil ihrer eigenen Sprache.

In dieselbe Richtung arbeiten bereits andere Premiummarken: BMW M etwa entwickelt ebenfalls komplexe synthetische Klänge für künftige elektrische M-Modelle. Der Unterschied ist, dass Bentley nicht versucht, einen Sportwagen vorzutäuschen, sondern den Klang zum Bestandteil einer teuren Kabine machen will — fast wie Leder, Holz oder eine Sonderstickerei.

Der Torcal wird vermutlich technisch mit künftigen großen Elektro-SUVs des Konzerns verwandt sein, und der Autor von autoevolution vergleicht ihn spitz mit einem Porsche Cayenne Electric unter anderem Emblem und mit teurerer Ausstattung. Doch genau hier wird Bentley seinen Wert beweisen müssen: Wenn die Plattform gemeinsam ist, muss der Unterschied im Abstimmen, in den Materialien, in der Stille, in den Reaktionen und in den Details leben.

Bentley Dynamic Symphony mag schon vom Namen her prätentiös klingen. Doch für den ersten elektrischen Bentley ist das keine Pressemitteilungs-Zier, sondern der Versuch, eine unbequeme Frage zu beantworten: Was unterscheidet einen luxuriösen EV wirklich von einem schnellen, teuren Elektro-Crossover? Bald wissen wir mehr — Crewe hat sein Wort bereits gesagt.

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