Ein einziges Dokument hat die gesamte Europakarte von Momenta neu gezeichnet. Gestern war der chinesische Entwickler autonomer Systeme noch allein an München gebunden — jetzt erlaubt ihm das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), Level-4-Systeme auf Stadtstraßen in ganz Deutschland zu erproben. Zum Feiern ist es allerdings zu früh: Das ist eine Freigabe zur Überprüfung der Technik, kein Ticket in das bezahlte Robotaxi-Geschäft.
Wie die Pressestelle von Momenta mitteilt, ist das Unternehmen der erste chinesische Entwickler mit einer deutschlandweiten Genehmigung dieser Stufe. Die Meldung erschien am 29. Juli 2026 im offiziellen Kanal von Momenta, unter einer Überschrift zur Germany-Wide L4 Testing Approval from the KBA. Der gesamte Wert des Papiers steckt in der Formulierung „im ganzen Land“: Das Grundverfahren der Zulassung muss nicht mehr für jede Stadt neu durchlaufen werden, also lässt sich das System in unterschiedlichen Straßenbedingungen spürbar schneller prüfen.
„Deutschland ist einer der weltweiten Maßstäbe für die Regulierung des autonomen Fahrens: Hier gilt ein strenger und umfassender Ansatz, bei dem die öffentliche Sicherheit immer an erster Stelle steht“, sagte Momenta-Chef Xudong Cao.
Dabei klang der europäische Plan noch im vergangenen Herbst deutlich bescheidener. Im September 2025 nannten Momenta und Uber München den ersten Standort für Level-4-Erprobungen — mit dem Sprung in andere Städte irgendwann später. Dieses „später“ ist da: Die technische Prüfung lässt sich nun in ganz Deutschland ausrollen, ohne bei jeder neuen Kommune eine Grundgenehmigung zu erbetteln.
Doch zwischen dem landesweiten Test und einer Fahrt, die ein Fahrgast über die Uber-App bucht, klafft eine regulatorische Lücke. Im April 2026 hat Momenta Europe im Lobbyregister des Bundestages offen festgehalten, worum es wirklich geht: eine Anpassung von § 1i StVG, um eine teilweise oder vollständige entgeltliche Personenbeförderung bereits in der Erprobungsphase von Level 4 zu ermöglichen. Die derzeitige Auslegung der Regeln nennt das Unternehmen dort eine wesentliche Hürde für Innovation und wirtschaftliche Skalierung. Die neue KBA-Freigabe bestätigt also das Recht, die Technik zu erproben — und mehr nicht.
Die finanzielle Wette von Uber auf das Projekt ist derweil gewachsen. Die Tochter SMB Holding Corporation erhielt bei der Platzierung von Momenta 397.600 Aktien und legte sie zu den 791.055 Papieren, die sie vor dem Börsengang hielt. Das Gesamtpaket erreichte 1.188.655 Aktien und war zum Platzierungspreis rund 351 Millionen Hongkong-Dollar wert — etwa 45 Millionen US-Dollar. Der Markt antwortete am selben Tag: Die Momenta-Aktie legte in Hongkong im Handel um mehr als 9 % zu.
Der Börsenprospekt von Momenta sieht 20 % des Nettoerlöses für die Kommerzialisierung und Skalierung von Robotaxis, Robovans und autonomen Lkw vor. Das Geld ist da. Die deutschlandweite Freigabe ist da. Es fehlt nur eines — die Erlaubnis, einen zahlenden Uber-Fahrgast in München in ein Momenta-Fahrzeug zu setzen. Genau sie und nicht das nächste Testpapier wird der nächste Prüfpunkt sein.