Inspektoren kamen ohne Vorwarnung und nahmen die Beweise gleich mit

Inspektoren kamen ohne Vorwarnung und nahmen die Beweise gleich mit
B. Naumkin
Dmitry Yakin
Autor: Dmitry Yakin

Das MIIT tauchte unangekündigt bei drei chinesischen Herstellern auf, nahm wahllos Autos und Batterien mit und versiegelte sie für einen Monat Prüfung. So geht es jetzt weiter.

Chinas Aufsichtsbehörden schreiben keine Mahnbriefe mehr — sie schicken Labortechniker. Am 30. und 31. Juli tauchten Inspektoren des chinesischen Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) unangekündigt in den Werken von Nio, Chery und JAC in der Provinz Anhui auf, zogen zufällig Fahrzeuge und Antriebsbatterien aus der Produktion — und schickten sie direkt ins Testlabor.

Das allein ist noch kein Urteil. Laut CnEVPost geht es der Behörde nicht um einen einzelnen Defekt, sondern darum, ob die Hersteller die Qualität von Fahrzeug zu Fahrzeug konstant halten und Entwicklung sowie Produktion vernetzter, intelligenter Autos wirklich im Griff haben.

Neu ist die Methode. Bisher verlangte das MIIT von den Herstellern lediglich Selbstkontrolle: mehr testen, die Fähigkeiten der Fahrassistenzsysteme nicht übertreiben. Jetzt kommt das Ministerium persönlich vorbei und nimmt die Proben selbst — ohne Mittelsmann, ohne dass der Hersteller Einfluss auf das Ergebnis nehmen kann.

Das Programm für 2026 prüft gleich alles auf einmal: Fahrzeugkonstruktion, Einhaltung verbindlicher Normen, Sicherheit von Elektrofahrzeugen und Antriebsbatterien. Und hier der Haken — sobald eine Probe versiegelt ist, dürfen die Hersteller ihre Softwareparameter nicht mehr per Fernupdate ändern. Kein heimliches Nachbessern der Firmware, solange niemand hinschaut. Das Labor hat einen Monat Zeit für den kompletten Testzyklus.

Bedeutet das nun einen Rückruf für Nio, Chery und JAC? Noch nicht — jetzt wird erst einmal auf die Protokolle gewartet. Findet die Prüfung keine Abweichungen, ändert sich für die Besitzer überhaupt nichts. Bestätigte Verstöße könnten dagegen eine öffentliche Mitteilung, den vorübergehenden Entzug der Marktzulassung für ein bestimmtes Modell oder ein temporäres Verbot neuer Zulassungsanträge nach sich ziehen. All das greift aber erst, wenn die Testergebnisse vorliegen.

Und das ist keineswegs eine Einzelaktion. Eine Woche zuvor traf es GAC Aion und Xpeng in der Provinz Guangdong nach demselben Muster. Die Liste der Prüfpunkte ist lang: nicht nur Batterien, sondern auch funktionale Sicherheit, Cybersicherheit, Datenspeicherung, Software-Updates und ob die Fahrassistenzsysteme wirklich das leisten, was versprochen wird.

Der nächste wichtige Moment sind die Laborergebnisse selbst. Bis dahin gilt: Der Besuch der Inspektoren allein ist kein Beweis dafür, dass mit den Fahrzeugen von Nio, Chery oder JAC etwas nicht stimmt. Das sollte man sich merken.

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